Waschbär

Waschbär (Procyon lotor)

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie:
Kleinbären (Procyonidae)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00059

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Waschbären stammen aus Nordamerika. Dort sind sie mancherorts recht häufig und man kann sie zum Beispiel an den Autobahnraststätten beobachten, wenn sie Abfallkörbe nach Essbarem durchsuchen.

Erste Waschbären fand man in Deutschland im Jahre 1935 im Raum nördlich von Wuppertal und im Arnsberger Wald im Jahre 1942. Diese Tiere waren wahrscheinlich aus Wildgehegen entwichen. Die Geschichte des Waschbären in Westfalen begann so richtig im Jahre 1945, als einzelne Tiere, die wohl aus Pelztierfarmen entwichen waren, vom Ederseegebiet in Hessen aus durch die Kreise Brilon, Meschede und Wittgenstein nach dorthin vordrangen. Von hier aus erfolgte eine Ausbreitung der Art nach Norden und Westen. Bis zum Ende der 60er Jahre waren das südwestfälische Bergland und der südliche Teil Ostwestfalens besiedelt. Inzwischen sind in Deutschland weite Teile von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz besiedelt und Bayern und Schleswig-Holstein sind bereits erreicht.

Waschbär im Baum

Weil Waschbären nachtaktiv sind, sind sie nur schwer zu beobachten. Tagsüber halten sie sich in Höhlungen aller art verborgen und zwar in Fuchsbauten, in Holzstapeln, in hohlen Bäumen, in Felsspalten, Stollen, Steinbrüchen und Kanalisationsröhren. Man fand den Waschbären auch schon in Schuppen und Scheunen im Wald, in Hochsitzen und selbst in Bussardhorsten. In der Tierwelt hat der Waschbär bei uns mit Ausnahme des nur vereinzelt vorkommenden Uhus keine Feinde mehr; viele Tiere fallen jedoch dem Straßenverkehr zum Opfer oder werden von Jägern gefangen oder geschossen.

Waschbär auf Ast

Besonders Jäger sehen die Ausbreitung des Waschbären mit Sorge, wobei der Schaden, den Waschbären am Niederwild verursachen, unterschiedlich beurteilt wird. Der Waschbär ist in seiner Ernährung sehr vielseitig. Als Allesfresser ernährt er sich von Enten und Hühnern, Singvogel-Gelegen und Fischen, von Regenwürmern, Mäusen, Fröschen, Insekten, Ratten, Igeln, aber auch von Obst, Wildfrüchten, Eicheln, Nüssen, Bucheckern, Mais und Hafer. An Futterstellen für Hirsch und Reh fressen Waschbären auch Pressfutter. Untersuchungen des Mageninhalts haben ergeben, dass im Frühjahr besonders viele Vögel, im Sommer besonders viele Würmer und im Herbst hauptsächlich Pflanzen gefressen werden. Im Winter stehen mehr Säugetiere auf dem Speiseplan.

In der Brunftzeit zwischen Januar und März streifen die Männchen ruhelos auf der Suche nach Weibchen umher. In dieser Zeit paart sich das Männchen mit mehreren Weibchen. Manchmal kommt es auch zu einer vorübergehenden Paarbildung. Neun Wochen nach der Begattung bringt das Weibchen in seiner Schlafhöhle ein bis sieben Junge zur Welt. Die Jungen wiegen bei der Geburt um die 70 Gramm und sind ungefähr 16 cm lang, wovon ein Drittel etwa auf den Schwanz entfällt. Im Alter von fünf Wochen verlassen die Jungen zum ersten Mal das Nest und mit zehn Wochen begleiten sie die Mutter auf der Nahrungssuche. Mit vier Monaten werden die Jungen entwöhnt und kurz darauf selbständig.

Die Jungen verlassen ihr Geburtsgebiet und suchen sich im näheren Umkreis eigene Territorien. Die Männchen werden mit zwei Jahren geschlechtsreif, die Weibchen können schon Ende des ersten Jahres Junge gebären. Im Winter bleiben Waschbären aktiv, solange die Temperaturen nicht zu tief fallen. Bei hohen Minusgraden verbringen sie oft Wochen schlafend, ohne Nahrung aufzunehmen. Doch setzen sie ihren Herzschlag nicht herab, sondern sind bei den geringsten Störungen hellwach.

Waschbär im Tagesversteck
In seinem Tagesversteck (Astgabel) schlafender Waschbär

Literatur u.a.:
Grzimeks Tierleben, Band 12, Säugetiere 3, Hrsg. Bernhard Grzimek, DTV.
Schröpfer, Feldmann, Vierhaus: Die Säugetiere Westfalens, Münster 1984.
Sterling North, Rascal, der Waschbär (Ein Kinderbuchklassiker, auch für Erwachsene interessant).



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