Zwergschnepfe

Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus)

Familie: Schnepfen (Scolopacidae)
Ordnung: Wat-, Möwen-, Alkenvögel (Charadriiformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Hans-Wilhelm Grömping
Mail: hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00046

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Zwergschnepfen sind etwa lerchengroß und relativ kurzschnäblig. Sie ähneln Bekassinen. An den Kopfseiten über dem Auge haben Zwergschnepfen einen doppelten feinen Überaugenstreif, der dunkel abgesetzt ist. Auffällig sind auch die zwei scharf abgesetzten, breiten, gelblichen Längsstreifen auf dem dunklen Rücken. Der fast schwarze Rücken schillert aus der Nähe metallisch. Der Schwanz ist keilförmig und hat keinen Weißanteil.

Am Boden weiß sich die Zwergschnepfe außerordentlich gut zu verbergen und fliegt erst unmittelbar vor dem Beobachter in raschem, fledermausähnlichen Flug auf. Im Gegensatz zur Bekassine fliegt die Zwergschnepfe meistens stumm auf. Die Fluchtdistanz an Rastplätzen und auf dem Gelege ist in hohem Maße auf die tarnfarbene Färbung abgestimmt und beträgt in der Regel nur 1-2 Meter, manchmal sogar weniger als ein Meter.

In Mitteleuropa ist die Zwergschnepfe als Brutvogel nicht verbreitet, möglicherweise hat sie im 19. Jahrhundert aber vereinzelt in der Norddeutsch-Polnischen Tiefebene gebrütet. Im Jahre 1925 und 1928 wurden im Emsland Gelege gefunden.

Brutvogel ist die Zwergschnepfe im nördlichen Eurasien; in Norwegen brütet sie nur an wenigen Stellen im Osten der Provinz Finnmark, in Schweden ist sie spärlicher Brutvogel im Norden, im Finnland südwärts bis zum 63. und 64. Breitengrad. In Russland brütet sie im Weißmeergebiet nordwärts mindestens bis zur Kola-Halbinsel.

Auf dem Zug durchquert die Zwergschnepfe Mittel- und Westeuropa. Bereits im Juli/August setzt der Wegzug der Zwergschnepfen von den Brutplätzen mit dem Flüggewerden der Jungen ein. Von besonderer Bedeutung als Rastplatz sind die Rieselfelder der Stadt Münster, wo an einem einzigen Tag schon 50 Zwergschnepfen festgestellt wurden und wo die Zwergschnepfe regelmäßig auftaucht und drei Polder von Schiermonnikoog, auf denen sich am 17. 10.1973 sogar 61 Exemplare aufhielten.

Jedoch sind lokale Rastplatzkonzentrationen von mehr als 20 Vögeln eine Ausnahme. Starker Durchzug ist auch während der Heimzugsperiode bis zur 3. Aprildekade möglich. Als Rastplätze auf dem Durchzug sind anmoorige, feuchte bis nasse Wiesenflächen, Flachmoore, Verlandungszonen und Rieselfelder mit Deckung zu nennen. Der Pflanzenwuchs sollte genügend Deckung bieten, darf aber auch nicht zu hoch und zu dicht sein. Sumpfseggengesellschaften werden bevorzugt und Randzonen von Binsenbeständen. Tagesverstecke an Rastplätzen sind 15-20 cm lange und 8-12 cm breite Vertiefungen in dichter bis 15 cm hoher Vegetation, die nach einer Seite eine Öffnung besitzen sollte, zu der der Kopf der ruhenden Zwergschnepfe weist.

Über Nahrung und Brutpflege ist nur wenig bekannt. Brütende Vögel sitzen außerordentlich fest. Junge führende Zwergschnepfen attackieren Eindringlinge. Die Gelege enthalten meistens vier relativ große Eier.



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