Rotkehlchen (Erithacus rubecula)

Familie: Drosseln (Turdidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)

Autor:Hans-Wilhelm Grömping
Mail:hwgroemping@naturschule.com
Website: http://www.naturschule.com

Dokument: HWG 00042

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Rotkehlchen

Das Rotkehlchen gehört zu den häufigsten Brutvögeln in Nord-, West- und Mitteleuropa. Im Jahre 1982 wurde der Bestand des Rotkehlchens in der Bundesrepublik Deutschland (ohne die damalige DDR) auf etwa 5 Millionen Brutpaare geschätzt. Zwar kommt es immer wieder zu Bestandsschwankungen und besonders infolge von strengen Wintern auch zu Bestandsrückgängen, aber nach solchen Rückschlägen kann sich der Bestand innerhalb eines einzigen Jahres fast völlig erholen. Das Rotkehlchen ist also alles andere als eine bedrohte Art, die vielerorts gerade in den letzten Jahren beständig zuzunehmen scheint.

Rotkehlchen

Kaum eine Vogelart ist bei uns bekannter und beliebter. Zum einen liegt das an der orangeroten Brust, Kehle und Stirn (der Name Rotkehlchen ist so gesehen eine echte Untertreibung), die es hübsch aussehen, zum anderen an den großen dunklen Augen, die es niedlich erscheinen lassen.

Herrlich klingt zudem noch der wehmütig-melancholische Gesang. Hört man den Gesang, merkt man dem Rotkehlchen seine Verwandtschaft zu den Sangeskünstlern Nachtigall und Singdrossel aus der Familie der Drosseln an.

Rotkehlchen

Ein weiterer Vorzug des Rotkehlchen: Es ist nicht scheu und lässt sich gut und leicht beobachten. Man braucht nur ein Stück Garten umzugraben und schon stellt es sich ein, um in der frisch umgegrabenen Erde nach Fressbarem zu suchen. So gesehen ist das Rotkehlchen ein echter Sympathieträger in der Welt der Vögel und wurde deshalb auch 1992 in Deutschland zum Vogel des Jahres gekürt.

Ganz ungefährdet ist auch das Rotkehlchen bei uns nicht. Es gibt tatsächlich in Deutschland einige Gebiete, in denen es keine Rotkehlchen mehr gibt; solche Rotkehlchen- Löcher klaffen im Harz und zwar in Revieren mit großen Waldschäden. Dort wo der „saure“ Regen den Wald zerstört hat, dort hat auch das Rotkehlchen keine Zukunft mehr. Vermutlich liegt das daran, dass Rotkehlchen ganz entscheidend auf die Struktur des Waldbodens angewiesen sind. So entdeckte der britische Ornithologe erst vor gut einem Jahrzehnt, dass für den Bruterfolg von Rotkehlchen nicht die Größe ihrer Reviere entscheidend ist, sondern die Beschaffenheit des Bodenbewuchses. So darf der Boden keine zu dichte Krautvegetation aufweisen, aber auch nicht zu dicht mit trockenem Laub bedeckt sein. Rotkehlchen lieben Gärten mit Wasser. Sie baden jeden Tag, meistens am Abend, selbst im Winter.

Neben Gärten und Parks bevorzugen sie Waldränder, vor allem wenn sie in Gewässernähe etwas feucht sind. Hauptfeind des Rotkehlchens ist der Sperber, auch Wiesel, Katzen, Ratten und Mäuse, Eichelhäher und Elstern können dem häufig am Boden brütenden Vogel gefährlich werden. Auch durch die Singvogeljagd in Südeuropa werden viele Rotkehlchen getötet.

Interessant ist das Zugverhalten des Rotkehlchens. So gibt es bei uns Vögel, die im Winter bei uns bleiben und solche, die im Winter fortziehen. Die Männchen sind zum Großteil Standvögel und überleben auch kalte Winter recht gut. Sie haben es dann im Frühjahr leichter die Gunst eines Weibchens zu gewinnen, als die im Süden überwinternden Männchen, weil sie bereits ein ordentliches Revier gefunden haben.

Niedrig hängende Nistkästen nehmen Rotkehlchen mitunter an, besonders wenn Licht in die Kästen fällt. Nur selten findet man ein Rotkehlchennest, weil als Niststandort die unterschiedlichsten Plätze in Frage kommen. Zwischen Wurzeln und unter Stämmen, in Briefkästen oder in Gießkannen, an Baumstämmen, in Mauernischen oder im Efeu kann sich ein Rotkehlchennest befinden. Das Nest besteht aus Halmen, Moos, Stängeln und Wurzeln und wird mit feinen Haaren und Würzelchen ausgepolstert. Es ist napfförmig. Meistens brüten die Vögel zweimal im Jahr und haben fünf oder sechs Junge. Mehr als die Hälfte aller Bruten gelingt. Doch da Rotkehlchen im Durchschnitt nur etwa ein Jahr alt werden, kann es nicht zu einer Überpopulation kommen.



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