Grünling

Grünling (Tricholoma equestre)
syn. Echter Ritterling; Tr. auratum,
Tr. flavovirens                          

Klasse: Ständerpilze (Basidiomycetes)
Ordnung: Blätterpilze (Agaricales)
Familie: Ritterlingsartige (Tricholomataceae)
Gattung: Ritterlinge (Tricholoma)

Autor: Frank Moser
Mail: fr-moser@t-online.de
Website: Frank-Moser.de

Dokument: FM 00125
potentiell tödlich giftig!!

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Kurzbeschreibung:
grüngelber, olivgelbgrauer Pilz mit leuchtend gelben Blättern und ähnlich gefärbtem Stiel mit leichtem Mehlgeruch.

Hut:
anfangs halbkugelig mit stark eingebogenem Rand, dann glockig, später konvex, breit gebuckelt; gelbgrün, grüngrau, gelbolivgrau, braungelb; Oberfläche feucht klebrig mit eingewachsenen bräunlich-gelben Schüppchen, oft mit festgeklebtem Sand; dickfleischig; bis 13cm breit.

Grünling mit Erde

Blätter:
lebhaft schwefel- bis zitronengelb, auch blaßgelblich-weiß; am Stiel tief ausgebuchtet angewachsen; eng stehend.

Stiel:
zylindrisch bis etwas keulig; bis 10cm hoch und 1-2cm stark; schwefelgelb, mitunter auch gelblichweiß; glatt, aber auch schwach faserschuppig; voll; tief in der Erde steckend und in diesem Bereich oft fest mit Sand behaftet.

Fleisch:
blassgelb oder weißlich; Geruch schwach mehlartig, Geschmack mild.

Sporenpulver:
weiß.

Wert:
Galt bis vor wenigen Jahren als gesuchter und geschätzter Speisepilz, nach neueren Erkenntnissen – vor allem aus Frankreich – ist der Pilz jedoch  potentiell tödlich giftig!

Vorkommen:
Ende September – November (Dezember) vor allem im Kiefernwald (mitunter auch im Laubwald) auf trockenen, lichten Standorten, vor allem auf Sandböden, oft unter Moos, Flechten, Nadeln oder Sand versteckt, häufig auf Sandwegen, in manchen Gebieten häufig, vom Flachland bis in hohe Gebirgslagen (Schweiz bis 1650m!) (nach: Michael, Hennig, Kreisel: Handbuch f. Pilzfreunde Bd. I)

Verwechslungsmöglichkeit:
Der Grünling kann mit dem roh giftigen und in zubereitetem Zustand unangenehm schmeckenden Schwefelritterling (Tricholoma sulphureum) verwechselt werden. Der Schwefelritterling riecht jedoch widerlich nach Leuchtgas, die schwefelgelben  Lamellen sind im Gegensatz zum Grünling dicklich und entfernt stehend.

Interessantes:
Der erste Bericht über Vergiftungen mit dem Grünling stammt vom September 2001. Diesem Bericht zu folge erlitten 12 Personen – 7 Frauen und 5 Männer  zwischen 22  bis 61 Jahren – von 1992 bis 2000 in Frankreich eine Art Muskelentzündung (Rhabdomolysis), von denen 3 starben. Alle 12 Personen hatten mehrmals zuvor an 3 aufeinander folgenden Tagen größere Mengen Grünlinge gegessen.

Folgende Symptome traten nach 1 – 3 Tagen nach dem Verzehr der Grünlinge auf:

Muskelschwäche, Nervenschmerzen in den Oberschenkeln, Müdigkeit. Im weiteren Verlauf verstärkten sich die Symptome bis zur Beinsteifigkeit und allgemeiner Bewegungsschwäche, außerdem traten starkes Schwitzen, Hautrötungen im Gesicht, beschleunigte Atmung, leichte Übelkeit und dunkler Urin durch eine Störung der Nierentätigkeit auf. Die Muskelfasern degenerierten schließlich, Herz- und Nierenschädigungen, Atemnot und schwere Veränderungen der Blutserumwerte kamen hinzu.

Die Blutserumwerte normalisierten sich bei den Überlebenden innerhalb von 2 Wochen, die Muskelschwäche hielt dagegen mehrere Wochen an.

Seit vielen Jahren wird der Grünling von vielen Menschen auch in größeren Mengen verzehrt – ohne Schäden. Eine wissenschaftliche Begründung für die geschilderten Vergiftungsfälle ist offensichtlich schwierig. Folgende Erklärung ist möglich:

Der Giftstoff wirkt nicht bei allen Menschen, sondern evtl. nur bei solchen mit (vermutlich genetisch festgelegter) Disposition. Dabei wird ein körpereigenes Enzym aktiviert oder es tritt in Wechselwirkung mit anderen Stoffen.

Den diese Prozesse auslösenden Wirkstoffe sind noch unbekannt.

(nachzulesen in: „Der Tintling“ Die Pilzzeitung, Heft 5/2001; Seiten 15/16 : „Grünling: Abschied von einem Feinspeisling“)



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