Speitäubling

Spei-Täubling (Russula emetica)
syn. Kirschroter Täubling

Klasse Ständerpilze (Basidiomycetes)
Ordnung: Sprödblättler (Russulales)
Familie: Täublinge (Russulaceae)
Gattung: Täublinge (Russula)

Autor: Frank Moser
Mail: fr-moser@t-online.de
Website: Frank-Moser.de

Dokument: FM 00109
roh giftig ► mehr Pilze

Weißes Sporenpulver auf dem Hut des kleineren Täublings.

Kurzbeschreibung:
Blätterpilz mit kirsch- bis blutrotem Hut, weißem Stiel, fast weißen Blättern und weichem, brüchigem Fleisch.

Hut:
kräftig kirsch- bis blutrot, im Alter +/- gelbfleckig verblassend; anfangs halbkugelig, später gewölbt-ausgebreitet, niedergedrückt; meist schmierig und feucht glänzend, jedoch auch glanzlos trocken; bei Feuchtigkeit Hutoberhaut fast völlig abziehbar; Rand lange glatt oder auch deutlich gerieft; 4 – 12cm.

Blätter:
am Stiel ausgebuchtet angewachsen oder frei; dicht oder auch entfernt stehend und mit kurzen oder gegabelten Blättern gemischt; elastisch und etwas biegsam; weiß bis creme.

Stiel:
weiß, selten leicht rötlich überhaucht; mitunter aderig-runzelig; jung voll, fest, dann ausgestopft oder zellig-hohl; brüchig; oft dick-keulig, 6 –8cm lang, 1 – 2cm dick.

Fleisch:
reinweiß, unter der Hutoberhaut +/- rötlich; weich, brüchig; Geruch obstartig, Geschmack sofort pfeffrig-scharf.


Speitäubling mit einer zierlichen Varietät, die vor allem unter Birken wächst: Birken-Spei-Täubling

Sporenstaub:
weiß.

Vorkommen:
Juli – Oktober/November in feuchten Nadelwäldern und in Hoch- und Zwischenmooren unter Kiefern und Fichten, oft im Torfmoos; bei entsprechend günstigen Bedingungen in großer Zahl; besonders verbreitet in Nord-Europa; zerstreut in Mitteleuropa; vom Flachland bis ins höhere Mittelgebirge.

Wert:
Der Pilz ist roh giftig, kann aber nach 12 Std. Wässern und 10 Minuten Abkochen in Salz eingelegt werden (nach: Michael, Hennig, Kreisel: Handbuch für Pilzfreunde Bd. - siehe auch Abschnitt: Interessantes!) Man sollte ihn jedoch meiden.In fast allen Pilzbüchern wird er als giftig gekennzeichnet.

Zum Gift und seiner Wirkung:
Die Pilzgifte bestehen aus scharf-harzigen, terpenoiden Substanzen (Sesquiterpene). Sie bewirken durch eine lokale Reizung eine Schädigung der gastrointestinalen Schleimhaut (Schleimhaut des Magens und Dünndarms).

Die Latenzzeit beträgt ca. 30 Minuten bis 3 Stunden, die gastrointestinale Phase 1-2-7 Tage. Es kommt zu Bauchschmerzen, Bauchkoliken, z.T. choleraartigen Durchfällen, Erbrechen, Azidose (Störung des Säure-Basen-Gleichgewichts im Blut durch Zunahme saurer Stoffwechselprodukte), Wadenkrämpfen, Exsikkose(Austrocknung des Körpers durch den großen Flüssigkeitsverlust infolge der Durchfälle und des Erbrechens) und Schock. (nach: Roth, Frank, Kormann: Giftpilze-Pilzgifte; Nikol Verlagsgesellschaft, Hamburg)

Verwechslungsmöglichkeiten:
Es gibt einige offensichtlich nicht leicht abzugrenzende Varietäten. Der Speisetäubling ist davon die größte. Oft werden Varietäten nach ihrem Fundort bzw. den sie begleitenden Bäumen benannt: Kiefern-Spei-Täubling, Birken-Spei-Täubling, Buchen.Spei-Täubling, Moor-Spei-Täubling, ... . Die Unterscheidung und sichere Abgrenzung ist ohne Mikroskop und andere Hilfsmittel oft kaum möglich. All diese Täublinge sind jedoch sehr scharf und roh giftig.

Wissenswertes:
Täublinge sind Mykorrhizapilze, sie leben mit bestimmten Bäumen oder Pflanzen in Symbiose, vor allem mit Birke, Buche, Eiche, Fichte usw..
In Europa gibt es schätzungsweise 160 – 170 Täublingsarten, weltweit ca. 270. Es gibt mild-, bitter- oder z.T. brennend scharf schmeckende Täublinge. Grundsätzlich gilt die Regel: Mild schmeckende Täublinge sind eßbar und z.T. sehr schmackhaft (Speisetäubling!)!

Scharf und bitter schmeckende Täublinge sind in Europa vermutlich nur z.T giftig (Spei-Täublinge!), aber ungenießbar, einige von ihnen sind jedoch nach besonderer Zubereitung genießbar (wie z.B. scharfe Milchlinge).

Genauere Rezepte sind zu finden in:
- Pilzzeitschrift „Der Tintling“, Heft 2/2003, S. 19/20
- Michael/Hennig/Kreisel: Handbuch f. Pilzfreunde, Gustav – Fischer – Verlag, Bd. I ,
S. 41 – 43 und etwas kürzer in Bd. V, S. 73.

Man sollte Täublinge – auch mild schmeckende – nicht roh essen. Die z.T. recht kräftigen Farben der Täublinge sind ein Gemisch von Pteridinen und somit dem Farbstoff der Schmetterlingsflügel verwandt. Pteridine leiten sich aus Bestandteilen der Nukleinsäuren ab und sind wasserlöslich. Die Wasserlöslichkeit der Hutfarbe und die dadurch verursachten Farbveränderungen erschweren die Bestimmung von Täublingen erheblich. Ohne Bestimmung der Farbe des Sporenstaubes und der mikroskopischen Beurteilung der Sporen ist eine genaue Bestimmung der Täublinge kaum möglich. (nach: Michael/Hennig/Kreisel. Handbuch für Pilzfreunde Bd. V, Gustav- Fischer Verlag)



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