kahler Krempling

Kahler Krempling (Paxillus involutus)

Klasse: Ständerpilze (Basidiomycetes)
Ordnung: Boletales
Familie:
Kremplinge (Paxillaceae)
Gattung:
Kremplinge (Paxillus)

Autor: Frank Moser
Mail: fr-moser@t-online.de
Website: Frank-Moser.de

Dokument: FM 00055
giftig

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Kurzbeschreibung:
Pilz mit braunem, feinsamtigem Hut, jung stark eingerolltem Rand, an Bruchstellen bräunlich bräunlich verfärbend.

Hut:
gelb-, oliv- oder rostbräunlich, Oberfläche nass schmierig, trocken matt glänzend, anfangs filzig-zottig, später kahl, am Rande im jungen Zustand stark eingerollt und meist gefurcht, später verbogen, 5 – 15cm (20cm) breit, schon bald in der Mitte flach niedergedrückt, an Druckstellen dunkelfleckig.

Unterseite kahler Krempling

Blätter:
jung blassgelb, holzgelb, schließlich rostbraun oder schmutzigbraun, am Stiel herablaufend, oft gegabelt, mitunter netzartig maschig, gedrängt, bei Druck braunfleckig, lassen sich (ähnlich wie bei Röhrlingen) zusammenhängend leicht ablösen.

Stiel:
zylindrisch, voll, oft gebogen, schmutzgelblich bis rostbräunlich, glatt, kahl, mitunter feinbereift, 5 – 8cm lang, 1 – 2cm dick.

Fleisch:
blass-gelbbraun, im Schnitt allmählich rostbraun anlaufend, weich, saftig, Geruch und Geschmack leicht säuerlich, beim Kochen schwärzend.

Sporenpulver:
rostbraun.

Wert:
Roh verzehrt stark giftig, aber auch in ausreichend erhitztem Zustand hat der Pilz schwere und auch tödliche Erkrankungen verursacht. In älteren Pilzbüchern, z.B. auch im „Handbuch für Pilzfreunde,“ Bd.I, von Michael, Hennig, Kreisel, Ausgabe 1983, wird dem Pilzfreund geraten, den Pilz mindestens 30 Minuten scharf zu braten. Davon wird jedoch heute grundsätzlich abgeraten, da auch langes Erhitzen keine Garantie für ein Nichterkranken bedeutet, obwohl das im rohen Pilz enthaltene Gift dabei zerstört wird. Die eigentlich gefährliche Erkrankung durch den kahlen Krempling ist keine Vergiftung, sondern es handelt sich bei dieser als „Paxillus – Syndrom“ bezeichneten Erkrankung um eine Sensibilisierung des Körpers auf ein Pilzantigen. Dieses Antigen löst im Blut eine Antikörperbildung aus, diese Antikörper vereinigen sich später mit den Antigenen des Pilzes zu einem Antigen-Antikörper-Komplex, lagern sich an den roten Blutkörperchen an und lösen diese auf. Dabei treten nach einmaligem Verzehr oft nur geringe und darum wenig beachtete Symptome auf, erst nach mehrmaligem Verzehr kann es zu schweren Erkrankungen oder gar zum Tod kommen.

Querschnitt kahler Querschnitt

Symptome:
Latenzzeit: 1 – 2 Std.: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Koliken, Kollaps, Gelbsucht, Nierenschmerzen, Oligurie (verminderte Harnausscheidung oder –produktion), Anurie (keine Harnausscheidungen), schon nach 2 Stunden können sich rote Blutkörperchen auflösen, es kann zu Blutdruckabfall kommen, später zu Nierenversagen, Blutgerinnungsstörungen, Lebervergrößerung und evtl. auch zu Lungenwassersucht.

Die Prognose ist für diese Patienten pessimistisch: Solche Allergien können dann bei ihnen auch durch andere Pilze ausgelöst werden.

Neuerdings vermutet man, daß auch der Butterpilz (Suillus luteus) ähnliche Erkrankungen verursachen könnte.

Vorkommen:
Juli – Oktober (November) im Laub- und Nadelwald, in Parks, Gärten, Mooren, aber immer unter Bäumen, mit denen er Mykorrhiza bildet: Esche, Erle, Kiefer, Birke, Fichte, ... ), sowohl auf neutralen als auch auf sauren und kalkhaltigen Böden, überall häufig, besonders in trockenen Sommern, manchmal in Massen.

Verwechslungsmöglichkeit:
Mit dem Erlenkrempling (Paxillus filamentosus)



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