Fliegenpilz

Fliegenpilz (Amanita muscaria)

Klasse: Ständerpilze (Basidiomycetes)
Ordnung: Blätterpilze (Agaricales)
Familie: Wulstlinge (Amanitaceae)
Gattung: Wulstlinge, Streiflinge (Amanita)

Autor: Frank Moser
Mail: fr-moser@t-online.de
Website: Frank-Moser.de

Dokument: FM 00050
Stark giftig

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Kurzbeschreibung:
mitunter recht groß werdender Blätterpilz mit rotem Hut, auf dem viele kleine weiße Hüllreste flockenartig sitzenkönnen, deutlicher Manschette und auffälliger Knolle.

Hut:
ganz jung halbkugelig und mit dem viel dickeren (späteren) Stiel durch das Velum universale völlig verbunden (von der Form her wie eine Eichel in ihrem Becher), bald jedoch Trennung von Hut und Stiel, Hut dann aufgewölbt und schließlich flach; kräftig rot (scharlachrot, orangerot), älter ausblassend, Huthaut speckig glänzend, von vielen warzenförmigen, flockigen, weißen Hüllresten des Velum universale besetzt, die leicht abwaschbar sind; 5 – 20cm (mitunter bis 30cm) breit.

Blätter:
weißlich bis blassgelblich, frei, gedrängt, bauchig, weich.

Stiel:
6 – 20cm hoch. 1,5 – 2,5cm dick, weiß, evtl. schwach schwefelgelblich, anfangs voll, dann hohl, mit großer weißer oder auch blassgelber Manschette (Rest des Velum partiale), an der Basis mit kugeliger oder eiförmiger kräftiger Knolle, auf der ein mehrfacher warziger Schuppengürtel sitzt (Reste des Velum universale).

Fliegenpilz Gruppe

Fleisch:
weiß, unter der Huthaut gelborange, tieforange oder zitronengelb, Geruch angenehm, Geschmack unbedeutend.

Sporenpulver:
weiß.

Wert:
stark giftiger, mitunter tödlicher Pilz mit mehreren Giftstoffen wie Ibotensäure, Muszimol, Muskarin und anderen.Der Pilz sollte grundsätzlich nicht gegessen werden, auch nicht nach Entfernen der Huthaut!

Früher legte man Fliegenpilzstücke in gezuckerte Milch, um die Fliegen, die von der Milch naschten zu töten – daher rührt die Bezeichnung „Fliegenpilz“.

Vorkommen:
Juli – Oktober im Laub- und Nadelwald, im Flachland häufiger unter Birken, im Gebirge mehr unter Fichten, vorwiegend auf sauren Böden, vom Flachland bis in die Kammlagen der Mittelgebirge, in den Alpen bis 2100m, im Norden bis nach Island und in die Tundrenzonen, aber auch in Nordasien, Nordamerika , häufig und gesellig.

Verwechslungsmöglichkeiten:
Bei sehr oberflächlicher Betrachtung mit Täublingen, wenn die weißen Flöckchen abgewaschen sind. Täublinge haben jedoch keine Knolle, keine Manschette, die Blätter brechen spröde und splitternd.

Mit dem ähnlich gefärbten Kaiserling (Amanita ceasarea), der jedoch keine weißen Hüllreste auf dem Hut hat und eine tütenförmige Knolle hat. Der Kaiserling ist ein sehr geschätzter Speisepilz.

Ganz junge Exemplare in völlig geschlossenem Zustand könne auch mit dem Hasenbovisten verwechselt werden. Schneidet man solche jungen Fruchtkörper des Fliegenpilzes an, so findet man auch in diesem Stadium einen gelben streifen unter der Huthaut. Bei Hasenbovisten findet man diesen Streifen nicht.

Fliegenpilze im Wald

Vergiftungen mit dem Fliegenpilz:
Hauptbestandteile des Fliegenpilzgiftes sind vor allem Ibotensäure und Muscimol. Der Ibotensäuregehalt ist offensichtlich standortabhängig. Der höchste Anteil an Ibotensäure befindet sich wahrscheinlich in der oranegelben Schicht unter der roten Huthaut. Dieser orangerote Farbstoff ist ein Derivat der Ibotensäure. Die tödliche Dosis liegt bei über 100g Frischpilzen, wobei der Giftgehalt mitunter so gering sein kann – in Abhängigkeit vom jeweiligen Standort – daß keine Nebenwirkungen nach dem Verzehr auftreten.

Die Vergiftungen mit Fliegenpilzen machen nur 1 – 2% aller Pilzvergiftungen aus, 5% davon verlaufen tödlich.

Der Nachweis einer Fliegenpilzvergiftung geschieht durch Sporenbestimmung in Pilzresten und Resten der Mahlzeit, in Erbrochenem und im Stuhl.

Latenzzeit:
15 Minuten bis 4 Stunden

Symptome:
Im Magen-Darm-Trakt:
Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall

Parasympaticus:
langsamere oder unregelmäßigere Herzschlagfolge, Speichelfluss, seltener
Schweißausbrüche, Pupillenverengung (Miosis)

Sympaticus:
Herzjagen (mehr als 100 Herzschläge/min.), trockene , warme Haut, Vergrößer-
ung der Pupillen Herzrhythmusstörungen, Darmverschluß (Ileus)

Zentralnervensystem:
Schwindel, Benommenheit, Unruhe, Angstgefühl, Bewegungsstörungen
(Ataxi), Delirium, Haluzinationen, starke Erregung (Schreien, Singen,
Tanzen, Tobsuchtsanfälle, Euphorie, Depressionen, Muskelkrämpfe,
Lähmungen.

Bei schweren Vergiftungen evtl. Koma, Atemlähmung, Kreislaufversagen.

Ansonsten:
Nach ca. 10 – 15Std. klingen die Symptome ab.

Weiterführende Infos:
- „Giftpilze/Pilzgifte“ von Roth, Frank, Kormann, Nikol-Verlagsgesellschaft Hamburg
- „Handbuch für Pilzfreunde“ Bd.I, von Michael, Hennig, Kreisel (sehr ausführlich)



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