Knollenblätterpilz

Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides)

Klasse: Ständerpilze (Basidiomycetes)
Ordnung: Blätterpilze (Agaricales)
Familie: Wulstlinge (Amanitaceae)
Gattung: Wulstlinge, Streiflinge (Amanita)

Autor: Frank Moser
Mail: fr-moser@t-online.de
Website: Frank-Moser.de

Dokument: FM 00029
Tödlich giftig

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Kurzbeschreibung:
Blätterpilz des Laubwaldes mit grünlichem Hut, weißen Lamellen (Blättern), deutlicher weißer Manschette, knolligem Stielende, welches aus lappiger und häutiger Tasche wächst.

Hut:
anfangs kugelig gewölbt, später ausgebreitet, 4-12cm Durchmesser, hell – olivgrünlich in verschieden Intensitätsgraden, am Rande heller, Im Alter auch ausgeblaßt, Oberhaut leicht radial faserig und abziehbar, jung und bei Feuchtigkeit klebrig, trocken hingegen seidig – matt glänzend, mitunter mit weißen Hüllresten besetzt (ähnlich wie beim Fliegenpilz). Diese Hüllreste stammen von einer den ganzen Pilz im frühen Entwicklungsstadium wie eine Eierschale umgebenden weißen häutigen Hülle (= Velum universale).

Blätter (Lamellen):
anfangs weiß, dann allmählich zart grün – gelblich, weich, am Stiel frei,

Stiel:
6 – 12cm hoch (mitunter aber auch höher), 1 – 2cm breit, fast zylindrisch, nach oben leicht verjüngt, anfangs innen markig ausgefüllt, dann zunehmend hohl, biegsam, weißlich, im Alter auch grün – gelblich, mit recht deutlichem, unregelmäßigem Bandmuster (genattert), Manschette (Ring): weißlich bis leicht grünlich, häutig, fein gerieft und rockartig schlaff herabhängend. Die Manschette ist der Rest einer inneren Hülle zwischen Blätterrand und Stiel (= Velum partiale).

grüner Knollenblätterpilz

Knolle:
Stiel endet in halbunterirdischer Knolle, die ihrerseits wieder aus einer weißlichen oder leicht grünlichen, häutigen, sackartigen Hülle (= Scheide – Volva) steckt. Diese Hülle ist der untere Teil des Velum universale.

Fleisch:
weiß, zart, unter der Hutoberhaut gelb – grünlich, Geruch honigartig – süßlich Geruch mild.

Sporenpulver:
weiß, Sporen farblos,

Wert:
Gefährlicher, tödlich giftiger Pilz, der jedoch immer wieder aus Unkenntnis verwechselt wird.

Vorkommen:
Juli – Oktober, einzeln oder in Gruppen im Laubwald und Parkanlagen, besonders unter Eichen und Rotbuchen, selten unter Linden oder im Nadelwald, auf nährstoffreichen Böden, in ganz Mittel-, Süd- und Teilen Nordeuropas, Schottland, häufig.

Querschnitt Knollenblätterpilz

Verwechslungsmöglichkeiten:
mit verschiedenen ähnlichen Knollenblätterpilzen, z.B.mit dem Weißen Knollenblätterpilz (Amanita verna – ebenfalls tödlich giftig) oder dem Gelben Knollenblätterpilz (Amanita citrina – giftig).

Oft werden junge Champignons oder grüne Täublinge mit dem Grünen Knollenblätterpilz verwechselt. Die folgende Gegenüberstellung der wichtigsten Merkmale hilft, solche lebensgefährlichen Verwechslungen zu vermeiden!

Amanita phall. Champignons grüne Täublinge
Lamellen weiß, weich auch im frühen Stadium
stets leicht kakaofarben, weich
weiß, spröde, splitternd
zerbrechend
Knolle deutlich, mit
häutiger Tasche
keine keine
Manschette häutig, weiß häutig, dicker, weiß keine
Stiel lang, elastisch kürzer, wenig elastisch kurz, knackig und nicht
faserig brechend

Die Hutfarbe ist ein wichtiges, jedoch nicht immer sicheres Merkmal, weil Pilzfarben oft nicht wasserfest oder altesabhängig sind.

Tierfraß ist kein Zeichen für Eßbarkeit! Tiere fressen Giftpilze ohne Schaden, weil sie das Gift anders oder nicht resorbieren.

Die Gifte des Grünen Knollenblätterpilzes
Der Grüne Knollenblätterpilz (aber auch einige andere Knollenblätterpilze, einige Schirmlinge und der Nadelholzhäubling - Gallerina marginata) enthalten Amatoxine , Phallotoxine und Virotoxine. Für die Vergiftung sind vor allem die Amatoxine verantwortlich: sie wirken langsam , dringen vor allem in die Leberzellen ein, hemmen das Enzym RNA- Polymerase II, wodurch es zu einer Hemmung der Ribonukleinsäure –Synthese und zum Stillstand des Zellstoffwechsels, dadurch zum Absterben der Zellen kommt und somit zu tödlichen Organschäden.

Die tödliche Amatoxindosis für den Menschen liegt bei etwa 0,1mg/kg Körpergewicht. 100g Frischpilze enthalten ca.15mg. Für einen Menschen mit einem Gewicht von 70kg genügen demnach rund 50g Frischpilze für eine lebensgefährliche Vergiftung – das ist ein einziger Pilz.

Schon eine kleine Probe nur kurz gekaut kann schon eine Vergiftung verursachen!

Wer sich nicht sicher ist, sollte die Pilze stehenlassen oder einen Pilzberater – falls vorhanden- aufsuchen.

Nur genaue Kenntnis schützt vor Vergiftungen - darum: Im Zweifelsfall Hände weg!

Vergiftung durch den Grünen Knollenblätterpilz – Phalloides – Syndrom

Kurzform: Kennzeichen:

Lange Latenzzeit: 6- 24 Stunden, meist jedoch 8 – 12 Stunden

2-phasiger Krankheitsverlauf: 1. gastrointestinale Phase (Magen und Dünndarm

schädigend)

2. fortschreitende Leberzerstörung

In mancher Literatur werden 3 Phasen einer Vergiftung mit Amanita phalloides genannt.

1. nach 8-40 Std. Erbrechen bis zum Kreislaufversagen – der Tod kann eintreten, wenn jedoch diese Phase überstanden ist, dann

2. kommt es nach dem ersten bis 3. Tag zu einer meist trügerischen Besserung, bevor sich

3. nach dem 3. – 4. Tag lebensgefährliche Leber-, Nieren- und Herzmuskelstörungen einstellen und der Tod eintreten kann.

Symptome (je nach Giftmenge früher oder später auftretend):
Bauchschmerzen > Erbrechen > choleraähnliche, wässrige und dann blutige
Durchfälle > Leberschädigung > vergrößerte, druckempfindliche Leber >
Gelbsucht > Magen – Darmbluten > Oligurie bis Anurie (verminderte bis gar keine
Urinausscheidung) > Bewußtseinseintrübung > Leberkoma > Tod (4 – 7 Tage.

Knollenblätterpilz Wald

Ausführlicher:

Der Weg des Giftes im Körper

Mund > Speiseröhre > Magen > Dünndarm, hier von Darmzotten resorbiert und an Blut weitergegeben > Leber > rechte Herzhälfte > Lunge > linke Herzhälfte > ganzer Körper, dabei auch Gehirn und Nerven, durch Venen schließlich bis zur Niere.

Folgen der Intoxikation

Schädigungen können an Organen oder Nerven auf direktem Wege (chem.–mechan. Reizung) entstehen und auch indirekt über Beeinflussung und Schädigung übergeordneter Organe und Nerven oder Nervenzentren.

Im Magen geschieht folgendes: Durch Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit der Nerven, welche die Magenmuskeln beeinflussen, reagieren diese Nerven zu stark und die Magenschleimhäute sondern zu große Mengen Magensekret und Schleim ab, die Tätigkeit der Magenmuskeln wird erhöht und es kommt zu Erbrechen.

Der Dünndarm wird durch das Gift ebenfalls direkt und indirekt gereizt – die Darmtätigkeit wird erhöht und Durchfälle mit starker Übersekretierung (Verwässerung) sind die Folge. Es kommt zu starkem Wasserverlust, zur Verdickung des Blutes, zur Verarmung an Kochsalz (Hypochlorämie) und zum Sinken des Blutzuckerspiegels.

Das Gift gelangt durch die Pfortader in die Leber und führt zu einer schweren Schädigung der Leber, der Leberzellen und deren Funktion. Die Kerne der Leberzellen werden krankhaft verändert und gehen zugrunde. Die Leber vergrößert sich um 3 Fingerbreiten, sie wird stark druckempfindlich und verfettet hochgradig (30 – 35% Fettgehalt)Auch die Nierenkanälchen, die Herzmuskeln und die übrige Körpermuskulatur verfetten. In schweren Fällen wird die Leber hart und schrumpft (Leberzirrhose).Durch den Leberschaden kommt es zu weiteren Schädigungen: Die Galle produziert zu wenig Sekret, die Regulierung des Fettstoffwechsels, die Speicherung von Kohlehydraten in Form von Glykogen, welches nicht mehr erzeugt wird, die Regulierung von Eiweißauf- und –abbau im Eiweißstoffwechsel und die Entgiftung der schädlichen Abbauprodukte ist stark beeinträchtigt oder unmöglich.

Herz und Gefäße: Am 2.Tag nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome kommt es zu Kreislaufstörungen. Die Muskeln der Gefäße, welche die Spannung (den Tonus) bewirken und die einen Druck auf das Blut ausüben, erschlaffen, da die auf die Muskeln wirkenden autonomen Nerven durch das Pilzgift gelähmt werden. Das Blut in den Gefäßen steht nicht mehr unter Spannung, das Herz pumpt weiter Blut in die Gefäße, doch es staut sich und wird nicht mehr zum Herz zurück geführt. Der Puls wird schwach und kaum noch fühlbar, der Blutdruck sinkt, der Kranke wird leichenblaß und meist bewußtlos, die Augen sinken ein, das Aussehen verfällt, das Herz kann versagen – der Tod kann eintreten.

Literaturhinweise:
Michael/Hennig/Kreisel: Handbuch für Pilzfreunde , Gustav Fischer Verlag Jena, Bd.1,
Daunderer: Lexikon der Tier und Pflanzengifte

Das Internet bietet eine große Zahl von Informationen: In Suchmaschinen z.B. eingeben: „Phalloides – Syndrom“ oder auch „Vergiftung mit Amanita phalloides“.



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