Giftlorchel

Frühjahrs- oder Giftlorchel (Gyromitra esculenta)

Klasse: Schlauchpilze (Ascomycetes)
Ordnung: Pezizales
Familie: Lorchelartige (Helvellaceae)
Gattung:
Gyromitra

Autor: Frank Moser
Mail: fr-moser@t-online.de
Website: Frank-Moser.de

Dokument: FM 00023
Tödlich giftig

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Kurzbeschreibung:
rötlichbrauner bis dunkelbrauner Hut mit hirnartig gewundener Oberfläche auf Sandböden bei Kiefern im Frühjahr.

Hut:
anfangs rötlichbraun, dann bis dunkelbraun, innen schmutzig-weiß; unregelmäßig gelappt, rundlich oder dreiecksähnlich, Oberfläche hirnartig-wulstig geformt, mit Stiel verwachsen, sehr variabel in der Größe - 2 -10cm.

Giftlorchel

Stiel:
blaßgelblich bis grauweiß, anfangs fest und kernig, dann hohl und zellig, unregelmäßig geformt, mitunter in Längsrichtung leicht faltig, 3-6cm lang. 1,5 3cm dick.

Frühkahrslorchel

Fleisch:
dünn und wachsartig, leicht zerbrechlich, Geruch und Geschmack angenehm.

Sporen:
farblos

Zwei Giftlorchel
Links: Speisemorchel; rechts Gift- oder Frühjahrslorchel

Wert:
TÖDLICH GIFTIG! Früher wurde der Pilz oft gegessen und als Marktpilz gehandelt
(seine wissenschaftliche Bezeichnung lautet auch " .... esculenta" - eßbar !). Heute weiß man, daß der Pilz ein z.T. tödlich wirkendes Gift enthält - das Gyromitrin. Das Gift ist ein starkes Zellgift, welches vor allem schwere Leberschädigungen hervorruft, auf das Zentralnervensystem und die Atmung wirkt.
Es wird im menschlichen Körper in Monomethylhydrazin umgewandelt - eine Substanz, die auch als Raketentreibstoff Verwendung findet!

Die Vergiftung verläuft ungefähr folgendermaßen:
Latenzzeit : 2 - 8 Stunden (mitunter auch bis 24 Stunden).
Symptome: Mattigkeit, Kopfschmerzen, Durst, Völlegefühl, Übelkeit, heftiges Erbrechen (bis zu 2 Tagen), wässrige Durchfälle mit Blut und Schleim führen zu starker Wasserverarmung und starker Benommenheit , hohes Fieber (39°C), besonders kurz vor dem Tod.
1-2 Tage nach Genuß der Pilze kommen hinzu: Angstgefühl, Schwindel, motorische Unruhe, Gelbsucht in allen Abstufungen, Lebervergrößerung, in schweren Fällen Leberatropie (Schrumpfen des Lebergewebes), starke Hinfälligkeit, Bewußtlosigkeit, Versagen des Kreislaufes und Atemstörungen, in solchen Fälle kann nach 3-4 Tagen der Tod eintreten.

Letale Dosis des Gyromitrin: 1-2g beim Erwachsenen.
Gyromitrin ist zwar ein hitzeunbeständiges, leicht flüchtiges Gift, welches zu einem großen Teil beim Kocher zerstört wird oder sich beim Trocknen verflüchtigt, aber die schweren Vergiftungen oder gar Todesfälle zeigen, daß der Pilz dadurch nicht unschädlich oder gar eßbar wird. Allerdings ist bekannt, daß in manchen Gegenden die Frühjahrslorchel gern und in größeren Mengen gegessen wird - ohne Schäden. Hier gibt es einige toxikologische Rätsel, die noch gelöst werden müssen. Man nimmt an, daß die Giftigkeit des Pilzes von verschiedenen Faktoren abhängt, z.B. von der Witterung, dem Närhstoffgehalt des Boden usw., aber auch das Alter oder die körperliche Konstitution desjenigen, der die Pilze ißt, sind entscheidend für die Wirksamkeit des Giftes.

Verwechslungsmöglichkeiten:
Mit der Speisemorchel (Morchella esculenta), der Spitzmorchel (Morchella conica) – beide eßbar, oder der Riesenlorchel (Gyromitra gigas) –ebenfalls giftig.



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