Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung:
Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Flußjungfern (Gomphidae)

Autor: Berno Blüchel
Mail: bbluechel@gmx.de
Website: www.geonews.net

Dokument: BE 00002
unter Mitarbeit von Matthias Zimmermann

► mehr Libellen


Einleitung
Eine Rarität im nördlichen Mitteleuropa sind die Zangenlibellen. Die große Zangenlibelle (Onychogomphus uncatus) ist nur noch an einer Stelle in Deutschland heimisch. Von der kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus) existieren in Deutschland nur noch wenige Biotope in denen sie lebt. In Deutschland steht diese Art auf der roten Liste. Vor allem durch die Gewässerverschmutzung und den Ausbau von Bächen ist sie gefährdet.

Vorkommen
Die Flussjungfer findet man nur an sehr sauberen, sauerstoffreichen Gewässern mit kiesig-sandigem Untergrund. Die Flußjungfern zu denen auch die bekannteren Keiljungfern gehören besiedeln kleine Bachläufe, in denen sich das Wasser schon etwas erwärmt hat, Sand ich bereits in den Bachgrund mischt und einige sonnige Abschnitte aufweist. Vereinzelt kann man sie auch an kiesigen sauberen Weihern entdecken. Die ersten Kilometer nach der Quelle in denen das Wasser noch eisig ist, Steine den Bachgrund bilden und wenig Sonne auf den Bach fällt, wird von den Quelljungfern besiedelt. Häufig findet man die Zangenlibelle mit der Blauflügel - Prachtlibelle vergesellschaftet. In Deutschland ist sie nur noch in Bayern, Brandenburg und einigen Rheinarmen heimisch, in Südeuropa und Westfrankreich jedoch noch weit verbreitet.

Körperbau
Die Gomphidae ( Flussjungfer) zeichnet alle ein schlanker schwarzer Körper, der eine grünlich bis gelblich Färbung aufweist. Namensgebend sind die im Vergleich zum schmalen Hinterleib überdimensioniert wirkenden, zangenförmigen Hinterleibsanhänge, die den ab dem siebten Segment beginnend verdickten Hinterleib abschließen. Die Augen sind bei der kleinen heimischen Zangenlibelle grün, bei der helleren Unterart Onychogomphus forcipatus unguiculatus, die eher im Süden Europas zufinden ist, sind sie blau-grün. Ein typisches Erkennungsmerkmal der Zangenlibellen ist die Tatsache, dass die Augen, im Gegensatz zu vielen Großlibellen, deutlich von einander getrennt sind, was zu einem schlechteren räumlichen Sehen führt, da der überlappende Sehbereich recht gering ist.


Die Weibchen sind (wie so oft) nur schwer zu identifizieren, da sie nicht über die „Zange“ am Hinterleib verfügen.

Die kleine Zangenlibelle kann sicher von der großen Zangenlibelle anhand des Zangenanhanges unterschieden werden. Bei ersterer Art ist dieser schwarz mit gelben Einfärbungen, während er bei der großen Zangenlibelle völlig gelb gefärbt ist.

Mit 4 - 5 cm Gesamtlänge und 5 bis 7 cm Flügelspannweite ist die Kleine Zangenjungfer, was die Größe angeht, eher im untern Mittelfeld der Großlibellen (Anisoptera) anzusiedeln.

Ernährung und Verhalten
Die Kleine Zangenlibelle ernährt sich vor allem von Fliegen, Schwebfliegen auch Kleinlibellen werden nicht verschmäht. Im ganzen werden aber kleinere Insekten als z.B. von den Edellibellen gefangen. Dies kann man vor allem an der Größe des Fangkorbes sehen, welcher (bedingt durch das kurze hintere Beinpaar) recht klein geraten ist.


Sie ist äußerst sesshaft und kommt, wie die meisten Flußjungfern und Segellibellen, nach kleineren Streifzügen immer wieder zum selben Ansitz, meist ein etwas erhöhter, größerer Stein seltener ein Pflanzenstengel, zurück. Diese Sitzwarten werden gegen andere Männchen oftmals aggressiv verteidigt.

Die Weibchen leben meist versteckt und suchen die Gewässer nur zur Paarung oder Eiablage auf.

Kleine Zangenlibelle
Foto: Matthias Zimmermann

Fortpflanzung und Entwicklung
Die Männchen warten auf die Weibchen an ihren Ansitzpositionen. Sobald ein Weibchen in das Revier fliegt, versucht das Männchen sich mit ihr zu paaren.

Nach Ergreifen des Weibchens bildet sich sofort ein Paarungsrad, ohne den sonst „üblichen“ Tandemflug. Die Hinterleibszange zwingt das Weibchen sofort in das Paarungsgrad, so dass andere Positionen nicht möglich sind. Die Paarung dauert einige Minuten und findet im Sitzen statt.

Die Eiablage des Weibchen, erfolgt durch Abwurf von kleinen Eipaketen knapp über der Wasseroberfläche. Die Männchen sind bei der Eiablage nicht zugegen. Die exophytisch abgelegten Eier werden mit einer Gallerte umgeben, die stark haftet und mit dem Gewässergrund verklebt . So soll ein Abdriften in ungünstige Gewässerbereiche verhindern werden.

Die Larven graben sich tief in die sandigen Böden der Bäche ein. Sie benötigen 3 bis 5 Jahre für ihre Entwicklung.

Nach ihrem Schlupf unternehmen sie ihren Jungfernflug in nahe Bäume oder Gebüsche. Nach der Trocknung entfernen sie sich für einige Wochen vom Gewässer (wie viele Großlibellen) und verstecken sich meist in Wäldern. In dieser Zeit erreichen sie u.a. ihre Geschlechtsreife (Gonadenreifung). In dieser nehmen sie viel Nahrung zu sich und können noch keine Energie für Revierkämpfe aufbringen.

Ihre Flugzeit ist sehr lang von Mai/Juni bis in den August hinein.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

kleine Zangenlibelle

Natur-Lexikon.com