Australian Cattle Dog

Australian Cattle Dog

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00058

ausschließliche Nutzungsrechte an Text und Bildern:
Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI Standard Nr.287
FCI Gruppe 1, Hütehunde und Treibhunde


Geschichte und Herkunft:
Als Australien durch die ersten europäischen Einwanderer kolonisiert wurde, siedelten diese sich zunächst rund um die heutige Weltstadt Sidney an. Die dortigen Distanzen von den Wohnsiedlungen zu den Viehmärkten waren gering und die Rinder, die auf den Farmen gezüchtet wurden, mit dem Umgang durch Mensch und Hund vertraut und daher leicht zu treiben. Die damaligen Herdenhunde arbeiteten anscheinend trotz des heißen Klimas zur Zufriedenheit der Farmer. Nachdem die Einwanderer begannen, sich immer weiter im Land auszubreiten, wurden auch die Distanzen größer, die Siedler drangen in die Abgeschiedenheit des Outback vor. Die dortigen Farmen und Ländereien umfassten nun oftmals viele Tausende Quadratkilometer, die wenigsten Farmen waren eingezäunt. Die Herden zogen frei umher und verwilderten mit der Zeit. Daher kamen die Viehtreiber zum Einsatz, die mit Pferd und Hund die Herden zusammentrieben und zu den Viehmärkten bringen sollten. Hierfür kamen zunächst die aus Großbritannien stammenden „Smithfield“ Hunde zum Einsatz. Diese Rasse jedoch war bei den langen Distanzen und der vorherrschenden Hitze damit überfordert. Auch ihre Eigenschaft, die Herden laut kläffend zu treiben, stieß auf wenig Gegenliebe der Farmer und Viehtreiber. Denn gerade die verwilderten Herden wurden durch das Gekläffe zusehens in Panik versetzt und ließen sich nicht ideal treiben.

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Ein Viehtreiber namens Timmins stellte bei Beobachtungen fest, dass der einheimische Dingo nicht bellte. Er kreuzte daher, man vermutet um das Jahr 1830, einen Dingo mit einem Smithfield um einen ausdauernden und stillen Treibhund zu züchten. Diese Züchtung jedoch war zwar stumm, aber sehr eigenwillig und hart im Biss. Daher verschwanden sie relativ schnell aus den Züchtungen. Thomas Hall brachte um ca. 1840 ein Paar Blue-merle Hochland [Collies] aus Schottland mit nach Australien. Die Nachkommen dieses Paares wurden wiederum mit den Dingos gekreuzt und die daraus resultierenden Nachkommen waren wie gewünscht stumm. Diese Treibhunde erhielten den Namen „Hall’s Heelers“, was sich von „to heel“ ableitet und so viel bedeutet wie „in die Hinterbeine zwicken“. Diese neue Treibhundrasse war meist rot oder blue-merlefarben. Sie hatte Stehohren und sah vor allem im Gesicht dem Dingo sehr ähnlich. Weitere Züchter experimentierten mit diesen beiden Hunderassen Dingo und Collie und so gingen eine große Anzahl an Nachkommen dieser Rasse hervor. Die Brüder Harry und Jack Bagust aus Canterbury nahmen ebenfalls verschiedene Kreuzungen auf der Basis dieser Hunde vor, darunter eine Kreuzung mit einem Black-and-Tan-Kelpie. Das Ergebnis waren kompakte und aktive Hunde. Durch weitere selektive Zucht der beiden Brüder entwickelten sich die Vorläufer des heutigen Australian Cattle Dog. Sie besaßen Vitalität und waren stille Treiber. Die Nachfrage bei den Farmern war sehr groß und wuchs stetig. Der blaue Einschlag war sehr beliebt und wurde unter dem Namen „Blue Heeler“ bekannt. Auf den Weiden von Queensland nannte man sie „Queensland Heelers“ oder „Blue Queensland Heelers“. Robert Kaleski begann die Hunde 1893 zu züchten und stellte diese erstmals 1897 aus. Er verfasste den Standard für diese Rasse, ebenso wie für den Kelpie und den Barb. Dieser Standard wurde 1903 vom Cattle and Shepdog Club of Australia und dem kennel Club New South Wales genehmigt. Zunächst wurde die Rasse als Australian Heeler bekannt, später jedoch dann in Australian Cattle Dog umbenannt. Seine Fähigkeit, willig und unermüdlich Arbeit mit den großen Rinderherden zu leisten, hat ihn im Umgang mit den Herden für die Farmer unersetzlich gemacht.

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Er zählt als eine der besten Treibehunderassen der Welt ist fast so etwas wir ein „Exportschlager“ Australiens geworden. Man trifft ihn bei der Arbeit an den riesigen Rinderherden in den Vereinigten Staaten, ebenso in Kanada, Neuseeland, Südafrika, Schweden, der Schweiz, um nur einige Länder zu nennen. Aufgrund dieser weltweiten Verbreitung erhält der Australian Cattle Dog einige sehr große internationale Wertschätzung und man zählt in zweifellos zu einer der ganz großen Hunderassen. 

Körperbau:
Der Körperbau des Australian Cattle Dog ist kräftig, mit einem geraden Rücken und einer breiten Brust. Er besitzt einen kompakten und symmetrischen Körper.

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Fell und Farbe:
Der Australian Cattle Dog besitzt ein doppeltes Haarkleid mit dichter, kurzer Unterwolle. Das Deckhaar ist dicht und glatt. Jedes einzelne Haar ist hart und von gerader Form und liegt eng am Körper an. Daher ist es wasserabweisend. Unter dem Körper in Richtung Hinterseiten der Läufe hin bildet sich eine angedeutete Hose. Am Kopf, an den Vorderseiten der Läufe sowie den Pfoten ist das Haar kurz.

Die Farbschläge des Australian Cattle Dog sind Blau, Blau gesprenkelt (blue speckled), Blau getüpfelt (blue mottled) und Rot, Rot gesprenkelt (red speckled). Alle Farben immer mit lohfarbenen Abzeichen. Am Kopf sind schwarze, blaue oder lohfarbene Abzeichen erlaubt.

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Charakter und Wesen:
Die Anforderungen an den Australian Cattle Dog waren hart, die Zucht auf Leistung aus. Jeder Farmer wollte nur den besten Treibhund und Viehwächter aus einer Zucht. Diese Anforderungen wie Unbestechlichkeit finden sich heute noch in der Rasse wieder. Auch heute noch wird der Australian Cattle Dog zur Unterstützung bei den Herden ausgebildet und ist dort im Arbeitseinsatz. Seine Instinkte dafür sind ihm gegeben. Den Charakter des Australien Cattle Dog zu beschreiben ist schwierig. Er ist von seinen Besitzern als pflegeleicht, liebenswürdig, arbeitssam, schmusebedürftig, anspruchsvoll, streberhaft bis hin zu dominant beschrieben worden. Hier gilt wie bei allen Hunderassen, dass jedes Exemplar einen eigen Kopf und Charakter besitzt und es darauf ankommt, diese Charaktereigenschaften zu fördern. Jeder Hund ist, was man aus ihm macht.

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Er ist sehr selbstständig und möchte gerne für jede gut erledigte Aufgabe die entsprechende Belohnung. Dauer dies zu lange, kann er schnell abschalten und ignorieren. Rüden können Dominanz zeigen und rangbewusst sein, Hundeunerfahrene, unsichere Menschen sollten sich für keinen Australian Cattle Dog entscheiden. Inkonsequenz wird von dieser Rasse ebenso schnell bestraft, er benötigt eine liebevolle und konsequente Erziehung.

Als Familienhund ist er geeignet, wenn man ihm neben den üblichen Spaziergängen noch darüber hinaus beschäftigt. Für Hundesport wie Agility, Obedience, Turnierhundesport oder Trail ist er geeignet und lässt sich gerne begeistern.

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Haltung:
Aufgrund seiner Energie und seines Arbeitseifers ist der Australian Cattle Dog nicht für die Wohnungshaltung geeignet. Er benötigt geistige und körperliche Beschäftigung und will gefordert werden.

Sonstiges:
In Australien werden kleine Wirbelstürme als „little willy willys“ bezeichnet. Daher resultiert der Spitzname dieser Hunde, weil sie oftmals ein „Wirbelsturmähnliches“ Verhalten an den Tag legen.

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