Französische Bulldogge

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00055

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Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI Standard Nr.101
FCI Gruppe 1, Hütehunde und Treibhunde


Geschichte und Herkunft:
Es gibt verschiedene Theorien über die Abstammung der Französischen Bulldogge. Ursprünglich sollen diese Hunde bereits im 6. Jahrhundert v.Chr. von den Phöniziern nach Groß-Britannien gebracht worden sein. Wie anderen Doggen stammt auch die Französische Bulldogge wahrscheinlich von den Molossern des epirotischen Stammes und des römischen Kaiserreiches ab. Als Molosser waren die Hirtenhunde des gleichnamigen altertümlichen Stammes bekannt und für ihren Mut berühmt. Auch Alexander der Große soll Molosser bei seinen Kriegszügen mit sich geführt haben. Verwandtschaftsgrade besitzt sie den Bulldoggen aus Groß-Britannien, den verschiedenen Doggenrassen Frankreichs und ebenfalls mit den Alanerhunden (ebenfalls nach ihrem gleichnamigen Stamm benannt) des Mittelalters.

Die Bezeichnung „Bonddogge“ oder auch „Bolddogge“ taucht in Bezug auf die Französische Bulldogge erstmals um das Jahr 1500 auf. „Bond“ vom englischen „fesseln“ und „bold“ vom der Ableitung „kühn“ weist auf einen Zusammenhang hin, dass diese Rasse an der Leine gehalten werden sollte, damit sie keinen Schaden anrichtet. Denn damals war es in Groß-Britannien noch Sitte, Hunde zur Belustigung auf Bullen zu hetzten. Daher wurde der Name „Bulldogge“ für diese Art des sogenannten „Hundesports“ geprägt. In einem Briefwechsel, der im Jahre 1631 oder 1632 stattfand, bestellte ein Prestwick Eaton aus San Sebastian bei Georg Willingham in London zwei Bulldoggen, die „Stiere gut mit den Zähnen packen können“. Auch William Shakespeare nutze beide Bezeichnungen. In einem Drama um König Heinrich IV. wird die Bezeichnung „Bonddogge“ verwendet, ein Jahr später wird die Bezeichnung der Rasse „Mastiff“ oder“ Bullenbeißer“ genannt. Die damaligen Exemplare der Französischen Bulldogge hatten vermutlich noch längere Läufe und ein wesentlich aggressiveres Naturell als die heutigen Vertreter dieser Rasse. 1802 wurde durch das Parlament ein Verbot des Bullenhetzens beschlossen. Die Kämpfe wurden jedoch noch bis ca. 1840 weitergeführt, auch wenn sie von 1830 an seltener und nicht mehr so öffentlich durchgeführt wurden.

Durch das Verbot der Hundekämpfe änderten die Züchter ihr Zuchtverhalten. Wurde von der Rasse bislang immer Bissigkeit und Aggressivität verlangt, so sollte die Französische Bulldogge nun immer mehr zu einem Begleiter werden. Beliebt wurde die Rasse besonders bei der ärmeren Bevölkerung, die sich keine großen Hunde in beengten Räumlichkeiten leisten konnten. Diese sogenannten „Toy-Bulldoggen“, also Spielzeug-Bulldoggen, fanden schnell im Ausland begeisterte Anhänger und so nahm der Export nach Frankreich und Belgien den Anfang.

Die heutige französische Bulldogge ist das Ergebnis diverser Kreuzungen. Englische Auswanderer die sich kurz vor der Jahrhundertwende in Calais niederließen, brachten ihre Toy-Bulldoggen mit nach Frankreich. Diverse Einkreuzungen, darunter Kreuzungen mit Möpsen und Terriern entstanden. So langsam gelang es den Züchtern, das für die französische Bulldogge so typische stehende Ohr erblich zu machen. Daraus entwickelte sich in den nächsten Jahrzehnten das Fledermausohr und die Hunde wurden auf diesen speziellen Typ gezüchtet. Leider ging diese Züchtung jedoch auf Kosten des Unterkiefers, dessen Breite sich wesentlich verringerte.

Große Liebhaber fand die französische Bulldogge in den Vororten von Paris. Zunächst war er der Hund der kleinen Leute, Händler, Schuster, Lastenträger oder auch bei den Damen des ältesten Gewerbes. Dann fanden besonders die „feinen Kutscher“ Gefallen an dieser Rasse und führten sie in die Gesellschaft ein. 1836 wurden die ersten Toy-Bulldoggen auf einer Hundeausstellungen gezeigt. 1880 erfolgte die Gründung des ersten Rassevereins in Paris. 1885 wurde das erste Zuchtbuch erstellt und der erste Standard erfolgte 1898. Das war ebenfalls das Jahr, in den die französische Bulldogge von der Société Centrale Canine (Französischer nationaler Dachverband für Hundezucht innerhalb der FCI) anerkannt wurde. Dabei wurden auch die berühmten Fledermausohren als typisches Rassemerkmal im Standard verankert.

Seinen Zug von Europa nach Amerika trat die Rasse ebenfalls um 1888 an. Der Amerikaner Harrison brachte einige dieser französischen Bulldoggen in die USA und hatte mit ihnen so großen Erfolg, dass er mehrmals nach Europa reiste, um weitere Exemplare zu erwerben. 1896 wurde in New York eib Club gegründet und die erste Ausstellung erfolgte. Ihren Einzug in Deutschland nahm die Rasse nach dem Deutsch-Französischen Krieg vor. Max Hartenstein in Plauen hatte die französische Bulldogge entdeckt und erwarb Exemplare.

Körperbau:
Die Französische Bulldogge besitzt einen schwerfälligen Körperbau. Sie hat breite Schultern, einen minimal leicht gebogenen und breiten Rücken, eine großflächige, rundliche und breite Brust. An den Lenden wird sie etwas schmaler als im Brustkorb, der Körperbau verjüngt sich nach hinten.

Fell und Farbe:
Das Haarkleid ist kurz wie fast alles an der Französischen Bulldogge. Es ist dünn in der Konsistenz, dicht, glänzend und weich.

Die vorherrschenden Farben sind ein gestromtes weiß, rot oder hellbraun. Gestromtes oder ungestromtes gleichmäßiges Fauve, mit begrenzter, mittlerer oder überhandnehmender Scheckung.

Charakter und Wesen:
Die Französische Bulldogge ist ein umgänglicher, sportlicher und aufgeweckter Hund. Liebevoll im Umgang mit Kindern und seinen Besitzern. Sehr anhänglich und zutraulich, Nähe kann ihr nicht genug gegeben sein. Sie ist zuverlässig und unterscheidet sich in ihren Charaktereigenschaften und dem gesamten Wesen deutlich von ihren Vorgängern. Bekannt ist sie für ihren Mut und ihre Eignung als Wachhund.

Haltung:
Aufgrund der Größe und der Anhänglichkeit der französischen Bulldogge ist diese für eine Wohnungshaltung absolut geeignet, sofern sie nicht viele Treppen bewältigen muss. Sie benötigt keine ausgedehnten überlangen Spaziergänge, will jedoch gerne spielen und toben. Sie kann sich gerne beschäftigen lassen, ist jedoch auch langanhaltenden Schmuseeinheiten gegenüber nicht abgeneigt. Sie ist der ideale Stadt- und Familienhund, da Kinderlieb. Sie ist kein Kläffer, gibt jedoch als Wachhund auf die Wohnung acht und schlägt Alarm bei außergewöhnlichen Ereignissen oder bei Eindringlingen.

Sonstiges:
In Groß-Britannien wird die Französische Bulldogge den Gebrauchshunden zugerechnet. In den USA und Australien hingegen gehört sie der Gruppe der Nicht-Jagdtauglichen Hunde an.

Die französische Bulldogge wird auch liebevoll „Bully“ genannt.

Zufriedene oder schlafende französische Bulldoggen stoßen gerne mal tiefe und laute Schnarcher aus. Aufgrund des Schädelbaus und der auffälligen platten Schnauze ist dies jedoch nicht beeinflussbar und gehört zu dieser Rasse wie ihre Treue.



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