Do Khyi

Do Khyi
syn. Tibet Dogge, Tibet Mastiff

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00051

ausschließliche Nutzungsrechte an Text und Bildern:
Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI Standard 230 Gruppe 2 Begleithund, Wachhund und Schutzhund


Geschichte und Herkunft:
Der Do Khyi ist auch unter dem Namen Tibet Dogge oder Tibet Mastiff bekannt und stammt, wie diese beiden Namen bereits vermuten lassen, aus Tibet. Tibet ist seit jeher ein verschlossenes, abgeschottetes Land und lange Zeit wurde Europäern nur selten die Einreiseerlaubnis erteilt und wenn, dann durften die wenigsten einen Blick „hinter die Kulissen“ werfen. Ebenso wie das Land ist auch die Geschichte des Do Khyi geheimnisumwittert und so ist es heute schwierig, die wahren Niederschriften von den Legenden zu unterscheiden. Denn seit der Entdeckung und dem Bekanntwerden des Do Khyi im Altertum ranken sich Mythen und Legenden um diese Rasse. Auf unzähligen antiken Malereien wurde der Do Khyi auch bei den Abbildungen des „Rad des Lebens“ mit dargestellt.

Fundierte Kenntnisse über diese Rasse besitzt man seit etwas über 90 Jahren, geschrieben wurde über diese Rasse jedoch schon sehr viel früher. Der Do Khyi galt als traditioneller Wachhund der tibetanischen Klöster, Paläste, Häuser und als Herdenschutzhund der Wanderhirten des Himalaya. Der Do Khyi, was übersetzt so viel wie „Anbinde-Hund“ bedeutet, stammt aus den Hochebenen des Himalaya. Er ist die größte der tibetanischen Rassen und man sagt ihm nach, dass er die älteste Hunderasse des Ostens sei. Der Do Khyi wurde jedoch nicht nur als Wächter, sondern auch als Lastenträger eingesetzt, denn die Bergpfade und Pässe in Tibet sind zum Teil so schmal, dass keine Esel oder Maultiere als Transporttiere genutzt werden konnten. So griffen die Bauern und Hirten eben auf Schafe, Ziegen oder auch Hunde zurück.

Erwähnung fand der Do Khyi bei Aristoteles (384-322 v.Chr.) und Megasthenes (ca. 350-290 v.Chr.), die die „indischen Hunde aus dem Hochland von Tibet“ als beindruckend, groß und starkknochig, mit großem Kopf, breiter Schnauze und Hängeohren beschrieben und den Charakter dieser Rasse lobten. Marco Polo, den es auf seinen Reisen nach Zentralasien zog, berichtete ebenfalls sehr ausführlich über diese „Doggen, die fast Eselsgroß seien und zur Jagd wilder Tiere und Ochsen genutzt werden“. Jedoch sind tibetanische Esel relativ klein, also war diese Aussage relativ zu betrachten. Nach den Berichten des Marco Polo wird es Jahrhunderte still um diese Rasse aus Tibet. Erst ab dem 19. Jahrhundert tauchen wieder Beschreibungen der Hunde auf, diesmal jedoch weniger in Reiseberichten als denn in der kynologischen Literatur.

Do Khyi  01

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Do Khyis nach Europa gebracht. Aufgrund der indischen Kolonie gelangte diese Rasse zunächst nach Groß-Britannien, wo sie jedoch als Ausstellungstiere in Zoos landeten und ein armseliges Dasein fristeten. 1847 sandte Lord Hardinge, der damalige Vizekönig von Indien, an Königin Victoria einen Do Khy nach England und 1876 brachte der Prince of Wales zwei Hunde mit nach London, die er auch auf Ausstellungen zeigte. Gezüchtet wurde damals vermutlich jedoch noch nicht. Damals entstand auch das kuriose Gerücht, das der Di Khyi außerhalb seiner tibetischen Heimat sehr schnell körperlich verfalle. Grund soll die Luftveränderung gewesen sein, die Luft in Tibet sei aufgrund der Höhe dünner und der Do Khyi vertrage die Luft der tiefer gelegenen Länder nicht. Eine Behauptung, die sich jeglicher Beweise entbehrte und als vollkommen falsch einzustufen ist. 1898 wird in einigen Aufzeichnungen von einem Wurf Do Khyis berichtet, die im Berliner Zoo geboren sein sollen.

Die ersten Zuchterfolge konnte Irma Bailey in Groß-Britannien erzielen, die aufgrund ihrer Beziehungen zum tibetanischen Adel im Jahre 1928 fünf Hunde erwerben konnte. Ab 1932 wurde diese Zucht von P.B. Bates weitergeführt, jegliche Hinweise auf diese Zuchtlinie verlieren sich jedoch nach 1945 und diese Linie ist heute leider ausgestorben. Nach der geographischen Abschottung Tibets entwickelte sich diese Rasse in ihrer Heimat ohne Beeinflussung von außen ziemlich unverändert wie der Urtyp und den Europäern gelang es nicht, Hunde dieser Rasse aus Tibet zu holen. Die ersten Exemplare, die nach dem ersten Zuchterfolg wieder nach Europa gelangten, waren Exporte aus den an Tibet angrenzenden Ländern wie Indien oder Nepal. 1975 konnte der erste Wurf aus Nepal exportierten Hunden in den USA vermeldet werden. In den darauffolgenden Jahren erzielte man Zuchterfolge in den Niederlanden, Deutschland, Schweiz, Schweden und Frankreich.

Do Khyi  02

Körperbau:
Der erste Eindruck des Do Khyi ist mit einem Wort zu beschreiben: imposant. Er besitzt einen großen und schweren Körperbau, ist gut gebaut und von großer Knochenstärke.

Fell und Farbe:
Das Haarkleid des Do Khyi ist seiner tibetanischen Abstammung und den dortigen Witterungsbedingungen ideal angepasst. Es ist hart und dick, um gerade in den kalten Monaten die Kälte ideal abzuhalten. Daher ist das gerade und abstehende Deckhaar nicht zu lang, die Unterwolle jedoch dicht und üppig. In den wärmeren Monaten verliert sich die Haarpracht und das Fell wird relativ spärlich. Am Hals und an den Schultern wirkt das Fell wie eine Mähne, generell ist es nie wellig oder gelockt und keinesfalls seidig in der Textur. Beim Abhaaren im Frühling verliert der Do Khyi sehr stark Unterwolle und Teile des Deckhaares und bedarf viel und intensiver Fellpflege (bürsten bzw. kämmen). Er sieht nach dem Fellwechsel optisch viel schlanker aus.

Die Farben reichenmeist von einfarbig schwarz, rot, blau und goldfarben in allen Schattierungen bis tanfarben. Abzeichen auf der Brust sowie an den Pfoten sind erlaubt.

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Charakter und Wesen:
Der Do Khyi wurde als Wachhund gehalten und hat bis heute diese Eigenschaften nicht eingebüßt. Auch wenn er auf den ersten Blick schwerfällig wirkt, kann er sehr respekteinflößend Fremden gegenüber auftreten. Er besitzt großes Territorialverhalten und kann sein Heim entsprechend verteidigen. Jedoch ist zu bedenken, dass jeder Hund zu dem wird, wozu man ihn macht. Dies gilt für alle Hunderassen und ist durch Erziehung und entsprechende Haltung sowie familiäre Bedingungen sehr gut zu beeinflussen und zu steuern. Der Do Khyi besitzt wie alle tibetanischen Hunderassen die Eigenständigkeit und manchmal auch den Starrsinn und Dickköpfigkeit. Daher ist eine gewisse Hunderahrung in der Erziehung von Vorteil. Der Do Khyi fühlt sich in seiner Familie, also seinem Rudel, als vollwertiges Mitglied, was bedeutet, dass er gerne und überall dabei sein möchte.

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Haltung:
Auch wenn der Do Khyi als Wach- und Schutzhund bekannt ist, so sucht er doch den Kontakt zu seiner Familie, Zwingerhaltung oder reiner Wachhund mit einem ständig draußen währenden Aufenthalt ist für diese Rasse nicht geeignet. Im Haus ist er gut zu halten, trotz seiner Größe bewegt er sich sehr sparsam und vorsichtig. Ab und an kommt jedoch sein Spieltrieb zum Vorschein, dann kann, sollte keine Hundespielzeug vorhanden sein, jedes andere Objekt das Ziel seiner Spiellaune werden und so manches Sofakissen ist schon Opfer eines solchen Spiels geworden. Do Khyis sind für ihren kräftesparenden Bewegungstrieb bekannt, ausgedehnte Spaziergänge zählen nicht zu den Vorlieben dieser Rasse. Und auch für Hundesportarten sind sie nicht geeignet.

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Sonstiges:
Die Rasse entwickelt sich im Vergleich zu anderen Hunderassen relativ langsam. Hündinnen sind erst mit zwei bis drei Jahren und Rüden frühestens mit vier Jahren ausgereift. Hier gilt vor der Anschaffung eines Do Khyi zu bedenken, das nicht nur die körperliche Reife länger dauert, auch die Erziehung des Hundes benötigt Geduld und konsequente Erziehung bis das gewünschte Verhalten die erwarteten Ergebnisse zeigt.



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