Tibet Spaniel

Tibet Spaniel

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00041

ausschließliche Nutzungsrechte an Text und Bildern:
Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI Standard 231. Gruppe 9 Gesellschafts- und Begleithunde.
Sektion 5 Tibetanische Hunderassen.


Geschichte und Herkunft:
Die Tibetanischen Hunde zählen zu den ältesten Hunderassen der Welt. Der Tibet Spaniel zählt zu dieser Gruppe von Hunden, die sich aus dem Lhasa Apso, dem Do Khyi, dem Tibet Terrier sowie dem Tibet Spaniel zusammensetzen. Er ist der kleinste dieser vier Rassen, die sich im Aussehen alle komplett unterscheiden. Eins jedoch haben alle diese Rassen gemeinsam, sie stammen aus einem Land, das von einem harten Klima geprägt ist. Tibet, das „Dach der Welt“, liegt im Durchschnitt rund 4500m hoch in den Bergen und Höhen des Himalayas. Die Landschaft ist karg und weist wenig Vegetation auf, welches die Bewohner wie auch seine Tiere prägte. So gelten sie als eine ursprüngliche, robuste und gesunde Hunderasse, die sich den Lebensbedingungen des Landes perfekt angepasst hat.

Über die genaue Herkunft und Abstammung des Tibet Spaniel ist wenig bekannt, da der Zutritt in das Land Fremden und vor allem Westlichen Besuchern lange Zeit verwehrt wurde. Auch mit den Nachbarländern pflegte es wenig Kontakt, mit Ausnahme von China, wo auf religiösem und politischem Gebiet Beziehungen stattfanden. Der Tibet Spaniel soll ebenso wie der Lhasa Apso in den Klöstern Tibets heimisch gewesen und dort gezüchtet worden sein. In Tibet selber werden diese Hunde „Jemtse Apso“ genannt, was so viel wie „geschorener Apso“ bedeutet. Auch heute treten in den Lhasa Apso-Würfen noch gelegentlich kurzhaarige Welpen auf, was laut einigen Experten auf gemeinsame Vorfahren der beiden Rassen hinweisen könnte. Ähnlich wie der Tibet Terrier, der kein Terrier sondern ein kleiner Hirtenhund ist, trägt der Tibet Spaniel seinen Namen eigentlich zu Unrecht, denn er hat nichts mit einem Spaniel gemeinsam. So besitzt er beispielsweise keinerlei Jagdtrieb.

Früher wurde der Tibet Spaniel in den Dörfern als kleiner Wachhund und in den höher gestellten Familien als Haushund gehalten. Die Hunde aus den Klöstern sollen im Aussehen eleganter als die aus den Dörfern stammenden gewesen sein. Letztere glichen im Aussehen aufgrund ihrer kürzeren Nasen eher einem Pekingesen. In den Klöstern wurde der Tibet Spaniel von den tibetischen Mönchen zum drehen der Gebetsmühlen abgerichtet. Daher trägt er auch den Beinamen Gebetshund. Er gehört zum tibetanischen Kulturgut, denn seit jeher ist er aufs engste mit dem klösterlichen Leben verbunden. Bis heute ist es ein bekanntes Bild, das sich den Besuchern bietet, wenn Mönche kleine Hunde, darunter auch den Tibet Spaniel unter dem Arm tragen.

Den Einzug nach Europa traten die Tibet Spaniel erst kurz vor der Jahrhundertwende an. Engländer, die von Indien auf die Insel zurückkehrten, hatten diese Rasse sozusagen im Gepäck. Es wird berichtet, dass der erste Tibet Spaniel im Jahre 1895 von einem Seemann aus Indien nach England mitgebracht wurde. Dieser Hund „Ching“ lebte bis 1908. 1905 wiederum brachte Frank Wormald einen bunten Tibet Spaniel direkt aus Tibet mit nach England. Von diesem Hund existiert sogar noch ein Bild, das einen rot-weißen Hund zeigt. Im Jahre 1934 gründete man in England die „Tibetan Breeder Association“ und anerkannte tibetische Rassen erhielten nun auf Ausstellungen eigen Klassen. Der Zweite Weltkrieg brachte jedoch einen gewaltigen Rückschlag in das Zuchtgeschehen. Als Grundlage der heutigen modernen Zucht werden die beiden Hunde „Potala“ und Garpon“ genannt, die bis heute in den meisten Stammbäumen der Tibet Spaniel auftauchen und die die Zucht nach Ende des Weltkrieges wieder langsam aufbauten. 1957 wurde ein Tibet Spaniel Klub gegründet und 1961 erfolgte die Anerkennung durch die FCI. 1969 kamen die ersten Tibet Spaniels nach Deutschland.

Körperbau:
Der Tibet Spaniel besitzt einen kleinen aber ausgewogenen Körperbau. Die Gesamtlänge des Körpers ist etwas größer als seine Höhe am Widerrist.

Fell und Farbe:
Das Haarkleid besitzt eine seidige Struktur, ist glatt und liegt eher eng am Körper an. Es ist mittellang, an den Vorderläufen und am Gesicht jedoch kurz. Befederung weist es vor allem an den Ohren und an den der Rückseite der Hinterläufe auf. Hündinnen besitzen meist weniger Haarkleid und Mähne als Rüden. Alle Farben und Farbvarianten sind erlaubt.

Charakter und Wesen:
Der Tibet Spaniel ist ein fröhlicher, lebhafter, kerniger kleiner Hund. Er besitzt ein aufgewecktes Wesen, ist intelligent und aufmerksam. Er gilt als ausgesprochen wachsam, unerschrocken und meldefreudig, sobald jemand oder etwas seine Aufmerksamkeit und Wachsamkeit erregt hat. Man beschreibt das Zusammenleben mit einem Tibet Spaniel als eine Wechselbeziehung, die man gemeinsam führen sollte. In dieser Beziehung findet ein Austausch von Liebe und Empfinden statt. Der Tibet Spaniel gibt dafür Treue und Aktionsbereitschaft zurück. Besitzer dieser Rasse berichten, das der Tibet Spaniel regelrecht zu verstehen scheint, was man ihm erzählt und beinahe menschliches Verständnis zeigt. Er besitzt ein sehr gutes Gedächtnis. Bei der Erziehung eines Tibet Spaniel ist liebevolle Konsequenz und Einfühlungsvermögen gefragt. Auf Druck und Zwang reagiert der Tibet Spaniel mit Ignoranz.

Haltung:
Der Tibet Spaniel ist für die Wohnungshaltung aufgrund seiner Größe geeignet, wenn man ihm entsprechend Freiraum in Spaziergängen und regelmäßigen Auslauf bietet. Allerdings sollte man seine Meldefreudigkeit bei der Wohnungshaltung beachten. Nicht jede Nachbarschaft ist ebenso hundefreundlich und tolerant wie der Besitzer selbst.



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