Bobtail

Bobtail (Old English Sheepdog)

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00026

ausschließliche Nutzungsrechte an Text und Bildern:
Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI - Standard Nr. 16


Geschichte und Herkunft:
Der Bobtail oder Old English Sheepdog (Altenglischer Schäferhund) ist eine der ältesten Hütehunderassen. Entstanden ist diese Rasse im Westen Englands. Die dort ansässigen Schafe- und Viehzüchter benötigten einen Hund, der ihnen half, ihre Herden zu den Märkten zu treiben. Aufgrund ihres guten Instinkts wurden sie jedoch auch als Beschützer der Herden genutzt. Bobtail bedeutet übersetzt so viel wie „gestutzter Schwanz“. Einige Autoren und Kynologen des 18. Und 19. Jahrhunderts sahen diese Stummelrute als angeborenes Rassemerkmal an. Dabei wurde jedoch nicht erwähnt, dass diese kurze Rute keineswegs angeboren sondern kupiert worden war. Ein Hintergrund des damaligen Kupierens könnten die Steuererlassungen gewesen sein. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts nämlich wurden den Bauernhunden die Ruten kupiert, um sie als Arbeitshunde zu kennzeichnen und sie somit von der Steuer befreien zu lassen.

Bobtail 01

Über die genaue Abstammung der Bobtails sind sich die Experten im Unklaren. Englische Liebhaber und Züchter sind überzeugt, dass die Rasse bereits bei der Eroberung der britischen Inseln durch die Normannen ansässig geworden sei. Dies konnte jedoch nicht belegt werden. Erste schriftliche Erwähnung findet der Bobtail erstmals zu Beginn des 18. Jahrhunderts und Gainsborough malte bereits 1771 ein Gemälde, das eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Bobtail besitzt und über das viel diskutiert wurde. Zu den Vorfahren der Rasse zählen vermutlich der Bearded Collie. Außerdem weist er Ähnlichkeiten mit dem Pyrenäenhund, dem Kuvasz oder dem Altdeutschen Schäferhund auf. Die Geschichte des Rassehundes Bobtail begann um die 1870. Der erste Old English Sheepdog wurde 1865 in Islington, England ausgestellt. 1873 wurde bei der ausstellung in Birmingham für diese Rasse dann eine eigene Klasse eröffnet. 1885 wurde von einem Freeman Lloyd der erste Standard für den Bobtail erstellt. Dieser wurde später von Dr. Kerr überarbeitet und besitzt bis heute Gültigkeit. 1888 gründeten einige Liebhaber der Rasse den „Old English Sheepdog Club of England“.

Bobtail 02

Vor der Jahrhundertwende wurde in Amerika die Bobtailzucht aufgebaut und 1905 der „Old English Sheepdog Club of America“ gegründet. Das große Interesse der Amerikaner an der Rasse hat vermutlich dazu beigetragen, dass die Rasse damals im Heimatland erhalten blieb denn es wurden Hunde zu großen Summen nach Amerika verkauft. Während des ersten und zweiten Weltkrieges erfolgte eine gewisse Stagnation der Zucht. Auch nach Kriegsende ging es zunächst langsam voran. Der große Boom erfolgte in England dann Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre. Jedoch wurden nicht alle Hunde in die Kennel Club Register eingetragen sodass die konkrete Anzahl der gezüchteten Bobtails sich keineswegs eindeutig feststellen lässt.

Körperbau:
Der Bobtail wirkt durch sein üppiges Haarkleid zunächst wesentlich größer und massiger, als er wirklich ist. Er besitzt einen kurzen und gedrungenen, allerdings kräftigen Körperbau. Er ist ein robuster Hund.

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Fell und Farbe:
Das üppige Haarkleid des Bobtail ist eines seiner Markenzeichen und macht ihn unverwechselbar. Dazu ausgelegt, auch viele Zeit bei Wind und Wetter zu verbringen, ist das Fell sehr üppig. Das Deckhaar besteht aus langen, harschen, ungelockten Haar. Es hat eine harte Struktur. Die Unterwolle ist dicht und ist wasserabweisend. Die Farben des Haarkleides sind Schattierungen von graumeliert oder blau. Der Rumpf sowie die Hinterläufe sind einfarbig weiß, mit oder ohne „weiße Söckchen“. Am Kopf, am Hals, dem den Vorderläufen und dem Unterbauch befinden sich weiße Abzeichen. Bobtails werden in der Regel schwarz-weiß geboren. Ein Gen ist für die Umfärbung und Aufhellung verantwortlich. Ab dem dritten Monat beginnt dann die Umfärbung von schwarz zu grau und sollte bis zum 9. Monat abgeschlossen sein. Das Fell des Bobtail ist sehr pflege- und zeitaufwendig. Einmal pro Woche sollte das haarkleid des Bobtail ausgiebig gebürstet werden, was gut einige Stunden Zeit kosten kann. Diesen hohen Pflegeaufwand sollte man vor der Anschaffung eines Bobtail auf jeden gut bedenken !

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Charakter und Wesen:
Vor einigen Generationen wurde der Bobtail noch als unzuverlässig und wild beschreiben. Diese Eigenschaften sind längst nicht mehr vorhanden. Der Bobtail ist ein freundlicher, ausgeglichener Hund. Er ist intelligent und besitzt ein ausgelassenes Temperament. Er ist treu und umgänglich und auch bei Kindern sehr beliebt. Er wiederum ist liebevoll im Umgang mit Kindern. Für Anfänger ist der Bobtail nur bedingt geeignet. Er besitzt einen Sturkopf und braucht eine liebevolle und zugleich konsequente Erziehung ohne hartes Durchgreifen sondern mit viel Geduld und Zuwendung.

Haltung:
Als gezüchteter Hüte- und Arbeitshund braucht der Bobtail auch heute noch viel Bewegung und will beschäftigt werden. Auch für Hundesport wie Agility oder Flyball lässt sich der Bobtail begeistern. Für die Wohnungs- oder Etagenhaltung ist der Bobtail nicht geeignet.

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Sonstiges:
Durch sein üppigen Haarkleid und das aparte Aussehen ist der Bobtail einer der gefragtesten und schönsten Hunde und lies bei vielen den Wunsch aufkommen, sich einen solchen Hund anzuschaffen und sich im wahrsten Sinne des Wortes „mit ihm zu schmücken“. Leider waren (und sind) sich viele Käufer und Interessierte nicht der aufwendigen Pflege bewusst, die allein diese Haarpracht mit sich bringt. Gerade in England war der Bobtail daher vor einigen Jahrzehnten regelrecht zum Modehund mutiert. Das nutzen verantwortungslose Züchter und „produzierten“ Bobtails, um damit den Markt zu überschwemmen. Es erfolgte leider viel zu oft die Abgabe an völlig ungeeignete Käufer, die sich rasch überfordert sahen. Mit verheerenden Folgen für die Hunde, denn monatlich wurden zeitweise mehr als 100 Bobtails ins Tierheim gegeben oder sogar ausgesetzt. Der Zustand der Tiere war oftmals so erbärmlich, mit verfilztem Haarkleid, durch eigenen Urin verschmutzt oder mit Maden unter der dichten Haarkleid. Es wurde sogar ein Hilfsfond zur Rettung dieser betroffenen Hunde gegründet und die Marktschwämme eingedämmt.

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