Neufundländer

Neufundländer
Arbeitshunde

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00022

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Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI - Standard Nr. 50


Geschichte und Herkunft:

Der Neufundländer wird auch als der Bär unter den Hunden bezeichnet. Dieser Vergleich scheint gar nicht so abwegig, wen man sich dieses Kraftpaket in seinem gewaltigen Fellkleid betrachtet. Die Vorfahren und die Abstammung dieser Rasse sind bis heute fast nicht bekannt. Einige Experten sind der Meinung, dass die Wikinger im 10.Jahrhundert die ersten Exemplare nach Neufundland mitgebracht hätten. Andere behaupten, dass die Rasse der Neufundländer vom Pyrenäenhund abstammt. Dieser soll als Begleiter der ausgewanderten Fischer von Frankreich auf die kanadische Atlantikinsel mitgebracht worden sein. Man ist jedoch fast einhellig der Meinung, dass in der Rasse des Neufundländers einige europäische als auch heimische, auf Neufundland lebende Hunde wie die der Micmac und der Beothuk Indianer gekreuzt wurden. Vermutlich sind auch die Polarhunde der Innuit sowie Labradore unter den eingekreuzten Rassen. Diese Annahme der Experten entstammt der dichten Unterwolle des Neufundländers, die der von Schlittenhunden wie dem Alaskan Malamute oder dem Siberian Husky ähnelt. Der Name des Neufundländers als Arbeitshund wurde 1775 das erste Mal schriftlich erwähnt. Kapitän George Cartwright, ein englischer Händler und Abendteurer, der das nach ihm benannte Städtchen im gleichen Jahr gründete, schrieb in seinem Tagebuch erstmals von einem Hund namens „Neufundländer“. Diese Rasse diente damals den Fischern als Arbeitshund und wurde auch zum ziehen von Lasten eingesetzt.

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Im 18 Jahrhundert wurden die Neufundländer nach Frankreich und Großbritannien gebracht, wo sie auch schnell als Bordhunde auf Schiffen sehr an Beliebtheit gewannen. Denn besonders hoben sich ihre Qualitäten als Schwimmer hervor. In der Geschichte der Seefahrt gibt es diverse Niederschriften, die von Schiffsrettungen durch Neufundländer berichteten. Ein aktenkundiger Fall ist die Rettung des Küstendampfers „Ethie“. Dieser lief 1919 in der Bonne Bay auf einen Felsen auf und durch den Einsatz der Hunde konnte einen Leinenverbindung zur rettenden Küste hergestellt werden. So wurden damals 92 Menschen gerettet.

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In vielen Schriften finden sich Hinweise wieder, die die Einsätze des Neufundländers als Wasser-Rettungshunde beschreiben. Jedoch sind sich auch hier die Experten nicht einig, ob und in welchem Maße dies wirklich zutrifft, denn viele dieser Schriften sind nicht mehr nachvollziehbar oder stützen sich auf falsche Angaben der Autoren. So ist beim Neufundländer wie vermutlich bei jeder Rasse, auch hier gibt es „Wasserratten“ und solchem die eine Abneigung gegen das feuchte Nass hegen. Einer der bekanntesten Neufundländer der Geschichte dürfte der des schottischen Schriftstellers J.M. Barrie (1860 – 1937) gewesen sein. Barrie verewigte seinen eigenen Neufundländer in der Gestalt des Hundes „Nana“ in dem Klassiker „Peter Pan“.

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Körperbau:
Der Neufundländer besitzt einen muskulösen Körperbau. Er ist massiv und kräftig gebaut und ist vor allem für seine Robustheit bekannt.

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Fell und Farbe:
Der Neufundländer besitzt ein dichtes, harsches Haarkleid. Es besteht aus geradem, glattem, ölig-wasserabweisendem Deckhaar mit dichter Unterwolle. Sein Fell weist eine besondere Dichte auf, die es dem Hund an heißen Tagen manchmal sehr schwer machen. Die Farben des Neufundländers sind schwarz, braun und schwarz-weiß. Schwarz ist die gängige Farbe dieser Rasse, wobei auch besonders braune Neufundländer immer mehr Liebhaber finden. Der schwarze Farbton soll durchgehend und gleichmäßig sein. Weiße Abzeichen an der Brust, der Rute sowie den Zehensind erlaubt.

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Beim braunen Neufundländer geht die Farbabstufung von schokoladenbraun bis bronzefarben. Auch hier sind weiße Abzeichen erlaubt. Die schwarz-weißen Neufundländer sind sozusagen eine Rarität dieser Rasse. Sie gehörten zu den die ersten dieser Rasse, die von Neufundland nach England kamen. Aus diesen Hunden entwickelte sich dann die Rasse des Landseer. Bei den schwarz-weißen Neufundländern sind ein schwarzer Kopf mit weißer Blesse erwünscht, dazu ein schwarzer Sattel, eine schwarze Kruppe und eine schwarze Oberseite der Rute. Der Rest des Haarkleides soll weiß sein. Das üppige Fell benötigt eine regelmäßige und intensive Pflege.

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Charakter und Wesen:
Der Neufundländer ist ein ausgesprochen friedlicher und angenehmer Hund. Er ist trotz seiner robusten Art und seines kompakten Körperbaus sehr harmonisch und liebevoll im Umgang mit Kindern. Er besitzt ein sanftes Wesen, kann aber auch eine starke Persönlichkeit mit einem eigenen Dickkopf zeigen. Dieser kraftvolle Hund benötigt eine liebevolle und konsequente Erzeihung. Als Familienhund sollte er eine enge Bindung zu seiner Familie und seinen Menschen haben.

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Haltung:
Eine Haltung in einer Etagenwohnung ist für diesen Hund ungeeignet. Ebenso ist er kein Zwingerhund, da er den sozialen Kontakt zu seiner Familie benötigt. Er braucht regelmäßigen Auslauf, neben langen Spaziergängen sollte er die Möglichkeit haben, sich in einem entsprechend großen Garten aufhalten zu können. Diesen nutzt er auch mal gerne für ein Schläfchen an einem ruhigen, und im Sommer schattigen Platz.

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Sonstiges:
Der Neufundländer wird gerne für Arbeiten im und am Wasser herangezogen. Er ist sehr intelligent und besitzt eine schnelle Auffassungsgabe. Da er für seine hohe Reizschwelle und Nervenstärke bekannt ist, zieht man ihn auch gerne zur Ausbildung als Blindenhund heran. Da er bis zum Vierfachen seines eigenen Körpergewichtes ziehen kann, wird er auch gerne für Zugarbeiten eingesetzt. Dies sollte jedoch erst ab einem Lebensjahr von knapp 2 Jahren erfolgen, da sonst die Gelenke sowie der komplette Körperbau Schäden davontragen könnte.

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