Pudel

Pudel
Gesellschaft- und Begleithund

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00021

ausschließliche Nutzungsrechte an Text und Bildern:
Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI - Standard Nr. 172


Geschichte und Herkunft:
Über die Herkunft des Pudels weiß man nichts genaues, auch wenn der Pudel seit mehr als 400 Jahren in Westeuropa bekannt ist. Der große Arzt und Naturforscher Conrad Gesner (1516 – 1565) beschreibt in seinem Werk „Historia animalium“ einen Wasserhund, den man mit dem Pudel in Verbindung bringt. Gesner stützt sich hierbei auf eine Veröffentlichung des Naturforschers John Kaj, der bereits 50 Jahre vor ihm den Wasserhund beschrieb und abbildete. Dabei wurde erwähnt, dass der Hund von den Schultern bis zur Schwanzspitze kahlgeschoren wird, damit dieser im Wasser beweglicher ist. Dieser Wasserhund soll bereits im 6. Jahrhundert während der Besetzung der iberischen Halbinsel durch die Mauren von Nordafrika nach Europa gebracht worden sein. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass der Pudel von Jagdhunden und zottelhaarigen Hütehunden abstammt.

Auch wenn die Aufzeichnung von Kaj und Gesner aus dem 15 Jahrhundert nicht beweist, dass hier ein Pudel beschrieben wurde, so zeigt sie doch zumindest, das die klassische Pudelschur bereits sehr alt ist und vielleicht schon vor vielen weiteren Jahrhunderten verbreitet wurde. So fand man beispielweise auf griechischen und römischen Vasen und Reliefs (um ca. 30 bis 14 v. Chr.) wollhaarige Hunde mit löwenartiger Schur, die von manchen Forschern mit Pudeln in Verbindung gebracht werden. Auch finden sich in vielen alten Werken immer wieder Hinweise auf diesen wollartigen und wassertauglichen Hund, vor allem werden aber immer die für ihn typischen Charaktereigenschaften erwähnt, nämlich die Liebe zum Wasser, seinen Charakter und das lockige, wollige Haarkleid. Der Name des Pudels leitet sich von dem alten deutschen Dialektwort „Pfudel“ oder auch „budeln“ ab, was so viel wie Wasserpfütze bedeutet. Ein weiterer gängiger umgangssprachlicher Begriff ist „nass wie ein Pudel“ oder „Pudelnass“, der die Vorlieb für das nasse Element bezeichnet. Auch heute weist der Pudel noch eine Besonderheit auf, er besitzt Schwimmhäute zwischen den Zehen!

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Prinz Rupprecht von der Pfalz hatte einen Lieblingshund, einen weißen Pudel namens Boy, der ihn ständig begleitete. Boy starb 1644 auf dem Schlachtfeld bei Marston Moor. Im 17. und 18. Jahrhundert kam der Pudel beim französischen Adel groß in Mode. Dieser wünschte sich i Laufe der Zeit immer kleinere Hunde, wodurch der Kleinpudel und der Zwergpudel gezüchtet wurden. Am meisten Verbreitung hatte der im 18. Jahrhundert, wo diese Hunderasse in der kleineren Variante oft als Begleiter von Damen der feinen und gehobenen Gesellschaft anzutreffen war. Bereits damals konnte man den Pudel auch auf Jahrmärkten antreffen, wo er wegen seiner großen Gelehrigkeit gerne zum darstellen von Kunststücken abgerichtet wurde. Auch im 19 Jahrhundert fand der Pudel immer wieder Verwendung im Zirkus, wo er wegen seinem Hang, sich selbst darzustellen, immer als Zuschauerattraktion galt.

Der Pudel fand in der Zeit der Revolutionskriege (1792 bis 1801/2) als Jagdhund Verwendung und begleitete Armeen durch Frankreich, in späteren Jahren dann die Feldzüge nach England, Spanien und Holland. Damals wurde er auch als Jagdhund eingesetzt, wobei man sich seine Freude zum apportieren zu Nutze machte. Da der Pudel wegen seiner Vorliebe zum Wasser auch für die Wasservögel Jagd eingesetzt wurde, entwickelten die Jäger eine besondere Schur. Das Fell an der Stirn, der Brust, der Schulter und den Fesseln wurde belassen, der Rest des Fells um Bauch, Lenden und hinteren Schenkel wurde geschoren. So konnte der Pudel besser schwimmen. So entstand auch das Verzieren der Pudel mit farbigen Schleifen, denn dadurch konnten die Jäger ihre Hunde auseinander halten. In späteren Jahren ging die Aufgabe des Pudels als Jagdhund verloren. Als die kurzhaarigen Jagdhunde in Mode kamen, wurde der Pudel wegen seiner großen Pflegeaufwendigkeit nicht mehr eingesetzt. Damals trat die Wende ein und die Nutzung des Pudels änderte sich vom Jagdhund zum Begleit- und Gebrauchshund. Eine weitere Verwendung hatte der Pudel auch als Trüffelsuchhund, wo er aufgrund seines feinen Geruchssinns gerne eingesetzt wurde.

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In Deutschland war der Pudel bereits im 18. Jahrhundert sehr verbreitet und bei Adel und der normalen Bevölkerung sehr beliebt. Allerdings nahm die Pflege des damaligen Schnürenpudels so viel Zeit und Arbeitsaufwand in Kauf, dass vermutlich dieses Haarkleid der „Untergang“ der Rasse Mitte des Jahrhunderts war. Das heranwachsen eines Schnürenpudels dauerte rund 1,5 bis 2 Jahre, in denen die Schnüre immer wieder voneinander getrennt werden mussten. Zudem musste man darauf achten, dass die Schnüre beim spaziergehen, kratzen oder raufen nicht beschädigt wurden. Beim fressen wurden den Schnürenpudeln die Ohren zusammengebunden, damit diese keine Essensreste ins Haar bekamen. Je länger die Schnüre, desto wertvoller war der Hund. Gegen Ende des 19. Jahrhundert begann die geregelte Pudelzucht in Deutschland und 1893 erfolgte die Gründung des Deutschen Pudel-Klubs. In den 60er Jahren avancierte der Pudel zum Modehund, viele Leute kauften ihn als nettes Accessoire und schmückten sich mit der Hunderasse allein des Aussehens wegen. Heute hat die Rasse nicht nur in Europa sondern weltweit wieder viel Anhänge rund Liebhaber gefunden und ist auch Rasseschauen sehr erfolgreich.

Es gibt vier Pudelschläge, die man aufgrund ihrer Größe unterscheidet: Groß- bzw. Königspudel, Klein- Zwerg- und Toypudel. Weit über die Hälfte aller Pudel sind heute Zwergpudel, die beliebtesten Farben sind schwarz, weiß sowie apricot.

Körperbau:
Der Körper des Pudels ist in jeder der vier Pudelschläge immer wohl proportioniert. Er besitzt eine harmonische Linienführung.

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Fell und Farbe:
Der Pudel besitzt ein dichtes, festes, lockiges  und für seine Rasse so typisches krauses Haar. Es ist fein und wollig und hält dem Druck der Hand statt. Das wollige, gleichmäßig lange Haarkleid besitzt den Vorteil dass das das Haar keinen Haarwechsel durchmacht sondern stetig wächst und daher geschoren werden muss. Der erste Standard von 1880 nennt Weiß, Braun und Schwarz als zulässige Farben. Dies blieb viele Jahrzehnte so. Doch dann tauchten andersfarbige Pudel auf, Silber, Schecken oder Apricot. Vorkurzen kam noch die Farbe rot hinzu.

Schwarz: es muss einheitlich sein und eine tiefschwarze Farbe haben. Weiße Stichelhaare sind nicht erwünscht. Ein leichter Anflug von Braun beim Junghund gilt nicht als fehlerhaft, da dieser mit zunehmendem Alter nachlässt und verschwindet.

Weiß: hier ist ein rein weißes Haarkleid erwünscht. Als Junghund kann es einen champagnerfarbenen Anflug haben, was besonders an den Ohren auftritt, dies darf jedoch beim älteren Hund nicht mehr sichtbar sein.

Braun: Das Haarkleid muss eine einheitliche braune Farbe haben. Weiße Stichelhaare sind nicht erwünscht.

Apricot: Das Haarkleid soll ein mittleres Apricot aufweisen, eine zu helle, cremige oder auch eine zu dunkle Farbe ist nicht erwünscht. Die Fellfarbe sollte einheitlich sein.

Silber: Silberpudel werden mit schwarzem Haarkleid geboren, die silberne Farbe kommt erst in den ersten Lebensmonaten durch. Ihre endgültige silberne Farbe erhalten sie oft erst mit bis zu drei Jahren. Die silberne Fellfarbe soll einheitlich sein. Wunsch ist ein mittleres Silber.

Black and Tan (schwarz/lohfarben): hier herrscht die Farbe schwarz vor und wird von der lohfarbe, die ein helles apricot bis braun sein darf, in fließender Zeichung unterbrochen. Vorzugsweise befindet sich die Lohfarbe in den Augenbrauen, im Bart und an den Wangen, im Brustspiegel sowie an den Läufen. Die Zeichnung soll symmetrisch und klar abgegrenzt sein.

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Schwarz-weiß gescheckt (Harlekin): Beim Harlekinpudel herrscht das Weiß vor und wird von der schwarzen Farbe streng abgegrenzt. Der Kopf ist schwarz, hier ist jedoch eine feine weiße Linie von der Nasenwurzel bis zum ersten Halswirbel oder auch Tupfer in der Krone erlaubt. Das Selbe gilt für den weißen Bart. Als ideal gilt eine Körperzeichnung von zwei bis drei schwarzen Platten bzw. Flecken. Diese Platten sind relativ gleichmäßig vom Halsansatz über den Rücken bis hin zur Rute verteilt. Auch ein durchgehend schwarzer Rücken ist erlaubt. Schwarze Flecken und Tupfen in der weißen Farbe (sogenanntes Ticking) sind nicht erwünscht.

Rot: das Haarkleid soll eine komplette rote (rotfalbene) Farbe aufweisen. Es darf nicht orange sein.

Es gibt beim Pudel verschiedene anerkannte Ausstellungsschuren:

Löwenschur: die Schur erfolgt an der Hinterhand bis zu den Rippen. Ebenfalls erfolgt die Schur an der Schnauze, den unteren Augenlidern, an den Wangen und den Vorder- sowie Hinterläufen und der Rute (an der ein Pompon erhalten werden kann). An den Vordergliedmaßen darf ein Haarkleid (eine sogenannte Hose) verbleiben.

Moderne Schur: hier wird folgendermaßen geschoren: die unteren Teile der Vordergliedmaßen (von den Krallen bis zur Kralle am Carpalballen), die unteren Teile der Hintergliedmaßen bis zur entsprechenden Höhe der Vordergliedmaßen, sowie Kopf und Rute.

Englische Schur: hierbei werden ergänzend zur Löwenschur einige Motive (, z.B. Ringe oder Manschetten an den Hinterläufen) geschoren und modelliert. Auf dem Kopf kann und darf ein Haarschopf verbleiben. Bei der englischen Schur sind weder der Schnurrbart noch der Haarschopf vorgeschrieben.

Reguliertes Haarkleid: auf dem Kopf darf eine Krone verbleiben. An den Ohren darf das Haarkleid gekürzt werden, während der untere Teil mit Haaren bedeckt bleibt. Ohren und Haarkleid enden in Fransen.

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Charakter und Wesen:
Pudel sind lebhafte und gutmütige Hunde. Sie sind intelligent, gesellig und ausgesprochen treu. Sie haben einen starken Charakter, sind gelehrig und witzig, in den Augen blitzt Stolz und Schalk. Sie sind wachsam und sehr kinderlieb. Pudel sind sehr selbstbewusst und durch ihre Gelehrigkeit geeignet, Kunststücke und Tricks zu erlernen und aufzuführen. Der Pudel ist verträglich mit anderen Haustieren (Kleintiere oder auch Katzen, wenn diese ihn lassen). Er besitzt ein starkes Einfühlungsvermögen und eignet sich daher auch für ältere oder alleinstehende Menschen.

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Haltung:
Der Pudel ist aufgrund seiner Verträglichkeit als Wohnungshund geeignet, wobei man hier eindeutig zwischen den verschiedenen Größen differenzieren sollte. Jeder Pudel braucht genügend Auslauf und Beschäftigung. Man sollte jedoch den Jagdtrieb gerade beim Groß- oder Königspudel nicht unterschätzen und diesen bereits im Welpenalter durch konsequente Erziehung unterbinden und die Energien in andere Richtungen de Beschäftigung lenken. Als Zwingerhund ist dieser Hund nicht geeignet!

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Sonstiges:
Der Pudel besitzt sehr viel Spielfreude und lernt gerne und viel. Er eignet sich daher für diverse Hundesportarten wie beispielsweise Agility, Flyball, Obedience, Dog Dancing oder Schutzhundesport. Auch Pudelrennen erfreuen sich in letzter Zeit immer mehr an zunehmender Beliebtheit. Hier steht nicht das Rennen und Gewinnen sondern der Spiel und Spaß an erster Stelle.

Der Pudel ist ein vielseitiger Vierbeiner mit diversen Qualitäten. Schon Wolfgang von Goethe zitierte in „Faust“ den berühmten „Pudels Kern“. Seine Vielseitigkeit zeigt sich u.a. darin, dass man Großpudel aufgrund seiner Zuverlässigkeit immer öfter zum Blindenhund ausbildet. Auch als Katastrophen- oder Leichensuchhund ist er geeignet.

Aufgrund seiner teilweise extremen Schur, die der Hund für Ausstellungen vorweisen muss, ist der Pudel zu Unrecht als hässlicher Hund oder Modehund verschrien. Wer sich über das geschorene Aussehen hinwegsetzt und sich mit dem Charakter des Pudels einlässt, wird sich sein Leben lang an einen tollen Kameraden erfreuen. Der Pudel besitzt eine sehr hohe Lebenserwartung und ist daher der ideale Familienhund.



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