Hovawart

Hovawart
Gebrauchshunde, Gruppe 2

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00019

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Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI - Standard Nr. 190


Geschichte und Herkunft:
Der Hovawart ist eine sehr junge Rasse mit einem alten Namen. Der Name Hovawart (Hovewart, Hovawarth, Hofwart oder Hofward) stammt aus dem mittelhochdeutschen und leitet sich aus den Worten hova (der Hof) und wart (der Wächter) ab, was also so viel wie Hofwächter bedeutete und diese Bauernhunde benannte, die auch vom niederen Adel gehalten wurden. Hovawarts wurden damals jedoch nicht nur zum bewachen von Haus und Hof, sondern teilweise auch als Zughunde eingesetzt. In einer neueren Deutung dieses Namens jedoch erklären Etymologen ihn wie folgt. Der Name setzt sich aus "hov“ oder „hove" (mit dem angelsächsischen „how“ verwandt) und "avartin, avartai“ (bedeutet im spätmittelhochdeutschen „warten“ oder „wartend“) zusammen. Nach Auslegung dieser Kombination trifft das auf das Wesen der Hunde zu, die nicht auf Menschen oder Gefahren zulaufen sondern eher in der Distanz bleiben und zunächst abwarten und beobachten.

Bereits in den mittelalterlichen Schriften wie dem Sachsenspiegel oder dem Schwabenspiegel fanden diese Hunde Erwähnung, jedoch wurde das Aussehen der Rasse nicht beschrieben. Man vermutet, dass die Rasse derb und robust war. Der Kupferstich „Ritter, Tod und Teufel“, den Albrecht Dürer 1513 anfertigte, zeigt einen Hund, indem die Züchter einen Hovawart sahen und ihr Zuchtziel nach diesem ausrichteten. 1869 malte Benno Adam das Bild „Hundefamilie mit altem Gaul“. Auf diesem Bild, so sind sich die Züchter sicher, ist bereits ein beinahe reinrassiger Hovawart zusehen, denn bereits zwei der Welpen weisen die blonde Farbe auf.

Hovawart 01

Erstmals wurde diese Rasse 1922 im Zuchtbuch erfasst, als Kurt F. König (Begründer einer Abstammungslehre, Gründer eines Biotyp Instituts in Rotenburg/Wümme und einer der wichtigsten Züchter in der Geschichte des Hovawart), den ersten Wurf eintragen ließ. Im gleichen Jahr schlossen sich einige Züchter in Thale(Harz) zum "Hovawart-Verein für Deutsche Schutzhunde e.V.“ zusammen. Die ersten Zuchtversuche fanden bereits vor dem ersten Weltkrieg statt, jedoch erfolgte die Festigung und Vertiefung der Rasse erst nachdem zweiten Weltkrieg. In der Zeit zwischen den beiden kriegen erfolgte eigentlich nur eine Vermehrung der Hunde, die dem ungefähren Zuchtziel folgten. Hierzu suchte man im Harz und im Odenwald sogenannte "Typhunde ", die den Vorstellungen der Züchter weitgehend entsprachen. In diesen Jahren erfolgte auch Einkreuzungen mit anderen Hunderassen wie Neufundländern, Leonbergern, Kuvasz oder Deutschen Schäferhunden, sowie weiteren Hunderassen. So erreichte man, dass der Hovawart wieder dem ursprünglichen Gebrauchshundetyp näherkam. 1937 erfolgte die Anerkennung des Hovawarts als eigenständige Rasse. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hatte er Bestand an Zuchttieren stark abgenommen. Die Züchter begannen zunächst allein, die Zucht weiterzuführen. Später schlossen sie sich in Landesgruppen zusammen, bis 1948 der "Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde e.V." (RZV) mit seinen einzelnen Landesgruppen gegründet wurde.

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Körperbau:
Der Hovawart besitzt einen großen und stattlichen Körperbau und ist elegant anzusehen. Er ist nicht schwerfällig, sondern besitzt Ausdauer und Vitalität. Er besitzt ein stolzes Auftreten sowie einen  harmonischen, wohlproportionierten Körper.

Fell und Farbe:
Das Deckhaar ist lang und leicht gewellt. Es liegt eng am Körper an und besitzt wenig Unterwolle. Das Haar ist relativ kurz bis auf den Bereich der Brust, am Bauch, der Rückseiten der Hinter- und Vorderläufe sowie der Rute, wo es etwas länger ist und sein darf. Den Hovawart gibt es in verschiedenen Farbvariationen, schwarz, schwarzmarken und blond.

Bei der schwarzen Variante ist das Haarkleid glänzend schwarz. Vereinzelte kleine weiße Flecken an Brust und Rute sind zulässig. Bei der schwarzmarken Variante ist das Haarkleid ebenfalls schwarz und glänzend. Die Markenzeichnung jedoch ist mittelblond. Diese Zeichnung beginnt am Kopf unterhalb des Nasenrückens und zieht sich um die Winkel der Lefzen herum bis zur Kehle. Die Brustmarke weist zwei nebeneinander liegende Flecke auf, die auch miteinander verbunden sein können. Auch die Vorderläufe, die Hinterläufe sowie die Rute weisen diese Farbmarken auf. Bei der blonden Variante des Hovawarts ist das Haarkleid mittelblond und glänzend. Am Bauch und an den Läufen wird es etwas heller.

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Charakter und Wesen:
Der Hovawart ist ein Allrounder unter den Hunderassen. Einerseits ist er ein Gebrauchshund und für eine vielseitige Verwendung geeignet. Er besitzt einen ausgeglichenen Charakter, ist selbstsicher, und belastbar. Er besitzt einen guten Schutztrieb und hat eine sehr gute Nasenveranlagung. Da macht ihn zu einem sehr guten Begleithund. Auch als Schutz-, Rettungs-  und Fährtenhund wird er ausgebildet und kommt zum Einsatz. Er besitzt eine charakterstarke Persönlichkeit, der sich auch für den Gebrauchshundesport eignet. Andererseits jedoch ist er auch sehr sensibel mit einer festen Bindung an seine Familie. Er benötigt engen Familienanschluss mit vielen Streicheleinheiten, andererseits braucht er auch eine gute Ausbildung und schöne wilde Hundespiele wie Zerren und Beutespiele. Kindern gegenüber ist der manchmal etwas stoisch wirkenden Hund sehr tolerant. Ist er genervt, dann entfernt er sich in der Regel. Jedoch sollte man auch besonders kleine Kinder darauf aufmerksam machen, dass es sich hier um einen Hund und nicht um ein Kuscheltier handelt.

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Haltung:
Der Hovawart benötigt unbedingt einen engen Familienanschluss und ist für eine Zwingerhaltung nicht geeignet. Er möchte am Familienleben teilnehmen und ist ein angenehmer und unaufdringlicher Begleiter.

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Sonstiges:
Der Hovawart ist für einen Hundeanfänger nur bedingt geeignet. Er besitzt einen eigenständigen Charakter, ist selbstständig, clever und denkt mit. Er braucht einen Menschen der die „Rudelleitung“ besitzt und die Führung übernimmt. Man sollte bereits Hundeerfahrung haben, wenn man sich zur Anschaffung eines Hovawarts entscheidet.

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