Kooikerhondje

Kooikerhondje
Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00017

ausschließliche Nutzungsrechte an Text und Bildern:
Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI - Standard Nr. 314


Geschichte und Herkunft:
Das Kooikerhondje ist eine weitgehend unbekannte aber schon sehr alte Rasse. Bereits im 17.Jahrhundert wurde diese Rasse auf einigen Familiengemälden und von bekannten niederländischen Malern verewigt. Im Oranien-Nassau-Museum von Dillenburg oder auch in bekannten Museen in Amsterdam, Utrecht oder Den Haag sind eine Reihe von Gemälden zu besichtigen, auf denen diese Hunderasse abgebildet ist. In historischen Dokumenten, die seit dem frühen Mittelalter Auskunft über die Rasse geben, ist das Vorkommen dieser Hunde nicht nur in Italien und Frankreich, sondern in ganz Europa verzeichnet. Hier wurde das Kooikerhondje vom Adel und reichen Bürgern gezüchtet. Wilhelm von Oranien (1533-1584), ein Statthalter in den Niederlanden, hatte ein Kooikerhondje von einer seiner Reisen aus Südeuropa (Südfrankreich oder Spanien) mitgebracht. Man berichtet, dass dieser Hund ihm angeblich das Leben gerettet haben soll. Wilhelm von Oranien hatte jede Menge Feinde unter Spaniern und niederländischen Katholiken. Der Hund teilte mit ihm sein Schlagmach und als die Feinde in sein Gemach eindrangen, weckte der Hund den Regenten. Nach dieser Tat wurde der Hund auch „Prinzenhondje“ genannt. Das nächste Attentat jedoch muss der Hund wohl verschlafen haben denn Willem wurde 1584 in Delft ermordet. Sein Hund verstarb kurz danach. Der Bildhauer Henrick de Keyser (1614–1623) errichtete den beiden in Delft ein Denkmal.

Kooikerhondje 01

Ihre ursprüngliche Arbeit und Aufgabe verrichteten diese Hunde bereits seit mehr als 500 Jahren beim „einfachen“ Volk. Hier waren sie die unentbehrlichen Helfer der sogenannten Kooibas, der Entenfänger. Das Hauptnahrungsmittel in den wasserreichen Niederlanden war das Wassergeflügel, also Enten. Diesen Enten lauerte man im Entenkooi auf. Koois sind Teiche, die von einem Gewirr aus Schilfverbauungen und Schilfmatten umgeben und auch teilweise damit überspannt sind. Koois sind spezielle Fangvorrichtungen für das Wasserwild. Sie vermitteln den Enten ein Terrain zum brüten vermitteln. Jedoch besitzen sie eine Fangröhre in alle Himmelsrichtungen, die immer enger wurde und schließlich in einem Korb endete. Da Enten immer gegen den Wind starten war man für alle Richtungen gewappnet. Wenn man die Enten in den Teich gelockt hatte musste man sie in Richtung Röhre zum Starten bewegen. Manche Kooibas setzten zusätzlich noch Lockenten ein, die am strategisch wichtigen Punkt gefüttert wurden. Die wichtigste „Lockente“ jedoch war das Kooikerhondje. Er bewegte sich stetig um die Schilfmatten herum, war kurz sichtbar und verschwand wieder Er ließ seine weiße Schwanzspitze aufblitzen und zeigte den Enten seine Fell-Signalfarbe nur

für den Bruchteil einer Sekunde. So lockte er die neugierigen Enten immer tiefer in Richtung Röhre, in der der Kooibas auf das Wasserwild wartete. Er erschreckte die Enten, diese starteten in Richtung „Freiheit“ und der Kooibas brauchte nur noch den Korbdeckel zuzumachen. Heutzutage werden Kooibas gerne von Naturschutz-Organisationen gepachtet. Diese beringen die Enten zu statistischen Zwecken und entlassen sie dann wieder in die Freiheit. In den Niederlanden gibt es noch rund 100 dieser Entenfang-Anlagen nebst den Kooikerhondje, die dort arbeiten. Nachdem die Rasse dieses kleinen Spaniels kurz vor dem Aussterben stand nahm sich Baronesse van Hardenbroek von Ammerstol ihrer an. 1939 baute sich die Zucht wieder auf und ihre Hündin "Tommie" wird seitdem als Stammmutter des Kooikerhondje benannt. Durch den „Raad van Beheer“ wurde im Juni 1966 der vorläufige Rassestandard genehmigt und offiziell anerkannt. 1971 wurde die Rasse in Holland anerkannt, am 31. Januar 1991 folgte die internationale Anerkennung durch die F.C.I. Da die Holländer ihren Nationalhund für sich behalten wollten, war die Anzahl der Kooikerhondje in Deutschland vor zehn Jahren noch verschwindend gering. Heute sind rund 300 Kooikerhondje in Deutschland verzeichnet. Es gibt nur wenige Kooikerhondje Züchter in Deutschland und es wird streng darauf geachtet, dass sich die Käufer eines Kooikerhondjes auch würdig erweisen.

Kooikerhondje 02

Körperbau:
Das Kooikerhondje besitzt einen fast quadratischen Körperbau. Seine Körperlänge übertrifft etwas die Widerristhöhe.

Fell und Farbe:
Das Haarkleid des Kooikerhondje ist mittellang. Es ist leicht gewellt oder glatt und liegt dicht am Körper an. Das Unterhaar ist gut entwickelt. Generell ist das Fell des Kooikerhondje leicht zu pflegen. Die orange-rote Farbe sollte überwiegen und klar abgegrenzte Flecken auf weißem Grund vorhanden sein. Am Kopf sollen eine weiße Blesse und orangefarbene Wangen vorhanden sein. Schwarz weiße und farbige Kooikerhondje sind nicht erlaubt, kommen aber immer mal wieder vor.

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Charakter und Wesen:
Das Kooikerhondje ist ein lebensfroher, charmanter, anhänglicher und mutiger Arbeitshund. Er besitzt eine schnelle Auffassungsgabe und eine wache Intelligenz. Gegenüber Fremden ist er freundlich und jedoch gleichzeitig zurückhaltend. Er ist aufmerksam, schlägt jedoch nur an, wenn er einen guten Grund dazu hat. Das Kooikerhondje ist sensibel und gegen Lärm und strenge Worte empfindlich. Wegen seiner Sensibilität und Intelligenz muss man ihm eine konsequente und geduldige Erziehung zukommen lassen. Ohne sinnvolle Tätigkeit langweilt sich dieser Arbeitshund und so sollte man mit ihm eine geistige und körperliche Beschäftigung wie Agility oder anderen Hundesport ausüben. Für Familien mit Kindern ist diese Rasse nur bedingt geeignet, da er beim spielen mit kleineren Kindern nicht alles bedingungslos akzeptiert.

Haltung:
Das Kooikerhondje kann im Haus und in der Wohnung gehalten werden, sollte jedoch seinem Wesen als Arbeitshund entsprechend beschäftigt werden. Das Kooikerhondje liebt ausgedehnte Spaziergänge und stundenlange Wanderungen. Er tollt gerne herum und ist Artgenossen gegenüber freundlich gesinnt. Viele Kooikerhondje lieben es, zu schwimmen.

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