Beagle

Beagle
Laufhunde (Hounds)

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00016

ausschließliche Nutzungsrechte an Text und Bildern:
Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI - Standard Nr. 161


Geschichte und Herkunft:
Der Beagle ist die kleinste Rasse unter den Laufhunden. Sein Ursprung geht wahrscheinlich bis in die Antike zurück, kann jedoch aufgrund fehlender Aufzeichnungen nicht genau beleg t werden. Jedoch beschrieb schon Xenophon, ein aus Athen stammender Schriftsteller, um 430 v.Chr. in seinen Werk Kynegetikos (einer Abhandlung über die Jagd, speziell mit Hunden) kleine Laufhunde, die Hasen verfolgten und in die Netze der Jäger trieben. Man schließt durch die Erwähnung, dass die Herkunft des Beagle in Griechenland entstand. Von hier verbreitete sich die Rasse weiter nach Italien und in die Normandie nach Frankreich. Dort gingen die die französischen Normannen mit diesen Hunden auf die Hasenjagd und brachten die Rasse um 1066 nach Großbritannien. Damals waren die Beagle noch kleiner als heute. Sie konnten aufgrund ihrer Größe in den Satteltaschen der Reiter oder sogar in den Taschen der Reiterkleidung selbst transportiert werden. Aus dieser damaligen tragbaren Variante entwickelte sich der sogenannte Pocket-Beagle, eine Rasse, die heute nicht mehr existiert. Auch Königin Elisabeth I. züchtete eine ganz besonders kleine Beagle Rasse. Diese Hunde hatten eine Widerristhöhe von nur 18 cm, die durchschnittliche Größe lag damals bei rund 22 cm. Laut zeitgenössischen Autoren hatten die Hunde in einem Fausthandschuh Platz. Diese Zwerg Beagle sind im Laufe des 19 Jahrhunderts komplett verschwunden.

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Auch am Hof Wilhelms III. und George IV. waren Beagle vertreten. Besonders Georg IV. verwendete seine Beagle bei der Jagd im hügeligen Sussex gerne als  Meutehunde. Damals entstand der Begriff beagling, der die Hundejagd in einer Meute geprägt hat. 1890 wurde in Großbritannien der Beagle Club gegründet. Mit der Gründung dieses Clubs wurde eine Vereinheitlichung der Rasse eingeführt, denn vorher waren die Hunde je nach Gegend im Aussehen und in der Art verschieden. Wenige Jahre nach Gründung des Clubs erfolgte der erste Export dieser Hunderasse in die Vereinigten Staaten von Amerika. Durch den ersten Weltkrieg wurden die Zuchtaktivitäten in Großbritannien fast komplett unterbrochen und die Rasse des Beagle schien von Aussterben bedroht. Eine Züchterin nahm die Aktivitäten wieder auf und setzte neue Impulse. Auch während des zweiten Weltkriegs ging die Zucht erneut drastisch zurück. So war 1945 nur ein Beagle im Kennel Club registriert. Nach dem Krieg kamen dann jedoch weitere Züchter hinzu und es entstanden weitere neue Beagle Zuchten. Der Beagle wurde nach dem zweiten Weltkrieg durch Mitglieder der britischen Rheinarmee nach Deutschland eingeführt.

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Der Ursprung des Wortes Beagle ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt. Vielleicht wurde das Wort vom französischen Begriff begueule ableitet, was „geöffnete Kehle“ oder „lautes Maul (Großmaul)“ bedeutet. Es könnte auch vom französische Begriff beugler abstammen, was übersetzt „brüllen“ bedeutet. Andere Ableitungen besagen, dass begele ein angeblich alter deutscher Begriff ist und schimpfen oder schelten bedeutet. Allerdings wäre auch eine Ableitung der alte englischen, französischen oder Waliser Bezeichnung beag möglich, was „klein“ bedeutet.

Der Beagle gehört seit langem zu den beliebtesten Hunderassen. Der 36. Amerikanische Präsident Lyndon B. Johnson besaß zwei beagle, die auf die Namen „Er“ und „Sie“ hörten. Der bekannteste Beagle aller Zeiten ist jedoch wahrscheinlich „Snoopy“ von den Peanuts, eine von Charles M. Schulz erfundene Comic-Figur.

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Körperbau:
Der Beagle ist ein kleiner, kräftiger Jagdhund. Er besitzt einen kompakten und fast quadratischen Körperbau. Er besitzt kurze aber kräftige und muskulöse Beine.

Fell und Farbe:
Das Haarkleid des Beagle ist kurz, dicht und wetterfest. Das Fell ist sehr pflegeleicht, wöchentliches ausbürsten zum entfernen der losen Haare genügt. Jede anerkannte Houndfarbe außer leberbraun ist erlaubt und gewünscht. Die Rutenspitze muss weiß sein. Bekannt und beliebt sind die dreifarbigen Beagle in verschiedenen Farben von rot bis lohbraun oder die Zweifarbigen in rot-weiß.

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Charakter und Wesen:
Beagle sind gutmütige, fröhliche und lebhafte Hunde. Allerdings können sie auch einen eigenwilligen Charakter aufweisen. Die Erziehung eines Beagle erfordert Konsequenz, gepaart mit viel Liebe und Geduld. Der Beagle ist ein Rudelhund und besitzt aufgrund dessen eine große soziale Bindung an die Familie. Er ist kinderlieb, jedoch aufgrund seiner Jagdeigenschaften nur bedingt als Familienhund geeignet. Als Meutehunde neigen Beagle gerne dazu, übermäßig viel zu fressen.

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Haltung:
Der Beagle sucht die soziale Gesellschaft anderer Hunde oder Menschen. Er sollte daher keinesfalls im Zwinger gehalten werden. Aufgrund seiner Jagdeigenschaften benötigt er viel und genügend Auslauf. Man sollte sich darüber bewusst sein, das der Jagdtrieb bei einem Beagle, ähnlich wie bei einem Husky oder Alaskan Malamute immer vorhanden ist. Das Risiko, dass ein Beagle eine Spur aufnimmt und verfolgt, ist bei jedem Spaziergang gegeben. Daher ist es nur bedingt zu empfehlen, Beagle ohne Leine laufen zu lassen. Dies ist jedoch wie bei vielen Hunderassen auch eine Frage der Erziehung.

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Sonstiges:
Der Beagle wurde ursprünglich in England als lauffreudiger Meutehund speziell für die Jagd (Treibjagd) auf Hasen und Wildkaninchen gezüchtet. Der Beagle zeichnet sich durch herausragende Fähigkeiten bei der Spurensuche aus. Aufgrund seiner Jagdeigenschaften zählt man ihn zur Hound Group. Zu dieser Hound Group zählen im englischen Ausstellungswesen die Hunderassen, die ursprünglich für die Jagd verwendet wurden und viele verschiedene Aufgaben zu erfüllen haben. In der englischen Meutejagd werden die Jagdhunde als Hounds (wie im Deutschen die Bracken) bezeichnet, die einer Spur nachgehen und mit ihrem Laut ihren Standort anzeigen und ob sie noch der Fährte folgen. Beagle jagen grundsätzlich mit Laut. Zu der Gruppe der Hounds bzw. Bracken gehören u.a. auch die Foxhounds, Bassets, Harrier, Bloodhound, etc. Diese Rassen jagen hauptsächlich nach Nase, während Wippets, Greyhounds oder [Barsoi] etc. auf Sicht jagen. Ein jagderfahrener Beagle verfolgt die Beute sehr beharrlich. Nach Jagdbeginn ist es fast unmöglich den Hund abzurufen. Sein ausgeprägter Jagdtrieb lässt dem Beagle meist nur die Möglichkeit, die Jagd durch das Beutemachen oder durch Erschöpfung zu beenden. Der Beagle eignet sich nicht als Apportierhund, da ein ausgewachsener Hase oder ein Kaninchen ist zu schwer für ihn ist. Jedoch ist er für die Arbeit auf der Schleppe geeignet. Do trägt er ein Kaninchen auch über weite Strecken dem Jäger entgegen. Der Beagle ist nicht wasserscheu und kann somit auch zu der Jagd auf Federwild verwendet werden. Man kann mit einem Beagle durchaus die Brauchbarkeits- und die Schweißprüfung absolvieren. Leider gilt der Beagle aufgrund seiner geringeren Größe und verschiedener Charaktereigenschaften als geeignetes Versuchstier in der medizinischen Forschung. Viele dieser Laborhunde werden auch heute noch für die verschiedensten Tests in den Laboren  gefangen gehalten und die meisten von ihnen sterben nach langer Zeit an den Folgen der an ihnen vorgenommenen Laborversuche. Nur wenige haben das „Glück“ und landen im Tierheim. Es haben sich in den letzten Jahren und spezielle Vereine gegründet, die sich dieser Labor-Beagle (und anderer Rassen) annehmen, die Hunde aus den Laboren befreien und die Vermittlung an liebevolle Halter vornehmen.

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