Bouvier des Flandres

Bouvier des Flandres
Hüte- und Treibhunde

Familie: Hundeartige (Canidae)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Autor: Verena Scholze
Mail: verenascholze@gmx.de
Website: http://www.verena-scholze.de/

Dokument: VS 00015

ausschließliche Nutzungsrechte an Text und Bildern:
Matthias Zimmermann

Alle Fotos: Verena Scholze

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FCI - Standard Nr. 191


Geschichte und Herkunft:
Der eigentliche Ursprung des Bouvier des Flandres ist nicht genau bekannt. Wie jedoch der Name bereits erkennen lässt, stammt der Flandrische Treibhund aus den belgischen und französischen Landesteilen Flanderns. Das Wort Bouvier stammt vom französischen „Boeuf“ und bedeutet zu Deutsch „Ochse, Rind“. Um die Jahrhundertwende gab es in den Landesteilen Flanderns Vieh- und Ochsentreiber, die Treiberhunde für ihre Arbeit benötigten. Diese mussten die Herden gut führen können, wozu die Bouviers des Flandres, die in der Gegend gezüchtet wurden, auf Grund ihrer physischen und charakterlichen Vorzüge bestens geeignet waren. In früheren Zeiten war der Bouvier des Flandres ein Gehilfe zum Herdentreiben.

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Durch Einsatz und mit Hilfe seiner Körperkraft brachte der Bouvier des Flandres eine besondere Technik zum Einsatz: erwies sich das Tier als störrisch, so wurde es mit voller Wucht angesprungen und dann in die gewünschte Richtung getrieben. Mit dieser Technik brachte der Hütehund widerspenstige Rinder dazu, weiterzugehen oder holte ausgebrochene Tiere zur Herde zurück. Ein wichtiges Kriterium war die selbstständige Arbeit und das er robust und gesund war. Nach diesen Kriterien wurde die Zuchtauslese betrieben. An erster Stellestand jedoch die Gebrauchstüchtigkeit. Er war jedoch auch das Pferd der „armen Leute“, nämlich den Bauern, von denen er als Zughund für Milch und Käse eingesetzt wurde, das man auf einem karren zum Markt brachte. Ebenso wurde er zum Antreiben von Butterfässern eingesetzt. Durch die voranschreitende Modernisierung in der Landwirtschaft verschwand diese ursprüngliche Verwendung immer mehr. Zum ersten Mal wurde der Bouvier des Flandres 1910 in Brüssel auf der Internationalen Hundeausstellung vorgestellt. Der Rassestandart wurde jedoch erst 1912 erstellt.

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Im ersten Weltkrieg fand der Bouvier des Flandres große Anerkennung als Meldegänger und bei der Suche nach verletzten Soldaten, wo er seinen Mut und seine Stärke bewies. Die meisten Kämpfe jedoch fanden in Belgien und Frankreich statt, wo auch die meisten Verluste vermeldet wurden, sodass der Bouvier des Flandres aufgrund der Zerstörung seines Heimatlandes bald vom Aussterben bedroht war. Seit den zwanziger Jahren bemühten sich Flämische Züchter wieder mit großem Einsatz um das Fortbestehen der Rasse. Heute wird der Bouvier des Flandres hauptsächlich als Wachhund auf Bauernhöfen aber auch als Schutz-und Polizeihund eingesetzt. Durch seinen Körperbau und sein Verhalten, den besonders feinen Geruchsinn, seinen Unternehmungsgeist und seine Intelligenz eignet er sich einerseits als Fährtenhund, andererseits auch als Verbindungs- und Meldehund und als Begleithund der Wildhüter.

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Körperbau:
Der Bouvier des Flandres hat einen kompakten und gedrungenen Körperbau. Der Körper ist gesamt ist kurz und stämmig. Er besitzt stark bemuskelte, kräftige Gliedmaßen. Der Brustkorb ist tief und breit gebaut. Der Hund vermittelt insgesamt den Eindruck von großer Kraft, wirkt jedoch nicht plump.

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Fell und Farbe:
Das Haarkleid des Bouviers des Flandres besteht aus einem üppigen einem rauen, harschen Oberkleid, das immer zerzaust wirkt. Es ist ungefähr sechs Zentimeter lang. Er besitzt eine dichte, feine Unterwolle. Das Deckhaar bildet zusammen mit der dichten Unterwolle eine schützende, wasserdichte Hülle, diese ist dem plötzlichen Wetterwechsel im Herkunftsland der Rasse vollkommen angepasst. Das Haarkleid ist am Kopf kürzer. An der Außenfläche des Ohrs ist es fast ganz kurz, das Innere der Ohrmuschel wird jedoch durch mäßig langes Haar geschützt. An der Oberlippe trägt der Bouvier des Flandres einen Schnauzbart. Das Kinn wird durch einen vollen Bart geschmückt, was den für die Rasse so charakteristischen grimmigen Ausdruck vermittelt. Der Bouvier verliert keine Haare, daher ist er auch für Allergiker geeignet. Das Fell sollte alle 3-4 Monate getrimmt werden. Die Fellfarbe ist meist schwarz, manchmal auch rehbraun bis schwarz oder ein gestromtes braun mit dunklem Streifen.

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Charakter und Wesen:
Der Bouvier des Flandres ist intelligent und gelehrig, ruhig und vernünftig, treu und aufmerksam. Er hat einen ausgeglichenen Charakter. Bouviers fixieren sich in den meisten Fällen schon sehr schnell auf eine Bezugsperson. Da sie als Bewacher von Herden oftmals blitzschnell entscheiden, reagieren und eigenmächtig handeln mussten, entwickelten sie eigene ausgeprägte Persönlichkeiten. Sie benötigen eine feste und erfahrene Hand. Ist dies gegeben, dann eignen sie sich als Familienhunde und zuverlässige Wachhunde. Auch sein anhängliches Wesen und sein Schutzinstinkt machen den kinderfreundlichen Bouvier des Flandres zu einem guten Gebrauchshund. Der Bouvier des Flandres besitzt ein fast stoisches und misstrauisches Gemüt. Vor allem die holländischen Schutzhund-Linien neigen dazu, sich nicht von Fremden anfassen zu lassen. Oftmals reagieren sie schon auf Blickkontakt oder Ansprache durch einen Fremden mit einer Verteidigungsbereitschaft. Bei den deutschen Linien schlägt dies oftmals eher in Ängstlichkeit um. Ein Bouvier des Flandres benötigt eine sorgfältige Erziehung und Möglichkeiten, bei denen er seine Kräfte und seine Bewegungsfreude einsetzen kann.

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Haltung:
Durch seine ursprüngliche Verwendung benötigt der Bouvier des Flandres Beschäftigung, er muss Aufgaben erfüllen und Bewegung haben. Er liebt lange ausgedehnte Spaziergänge oder Touren neben dem Fahrrad. Trotz seines kompakten Aussehens ist der Bouvier des Flandres sehr leichtfüßig und wendig, daher ist er für alle Arten des Hundesports geeignet. Er mag Obedience, Agility, Schutz- oder Fährtenarbeit, die Hauptsache jedoch ist, das der Bouvier des Flandres diese Sportarten mit seiner Bezugsperson unternimmt.

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Sonstiges:
Ein Bouvier des Flanders kann bis zum achtfachen seines Körpergewichtes ziehen. Daher können sie an der Leine enorme Kraft entwickeln. Dieses sollte gerade bei Fahrradtouren, bei denen der Hund an der Leine mitgeführt wird, beachtet werden.

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