Michael Lüth

Jahrgang 1955

wohnt in Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg)

selbstständiger Ökologe und Landschaftsplaner

Mail: Michael Lüth
Website: http://www.milueth.de
mit vielen weiteren Moosbildern

Das Schaffen von Bildräumen und –kompositionen hat mich von klein auf begeistert. Neben Zeichenstift und Ölfarben war die Fotografie ein geeignetes Medium für mich zur Bildgestaltung. Mit 14 durften wir im Fotolabor von meines Freundes Vater unsere Schwarz-Weiß-Bilder selbst entwickeln. Da konnte man mit Maskieren und Abwedeln herrliche Zauberkunststücke vollbringen. Mit 16 bin ich auf Farbdias umgestiegen, ich hatte meine erste Spiegelreflexkamera und suchte auf ausgedehnten Streifzügen nach Motiven mit ausgefallenen Lichtsituationen (zarte Pastelltöne im Morgengrauen, schweres Licht kurz vor dem Gewitter, gereinigtes Licht nach dem Regen, hartes Licht durch den Riss in der Wolkendecke...). Eine Ausbildung zum Goldschmied lehrte mich den Blick fürs Detail und handwerkliche Präzision, ein Gaststudium an der Kunstakademie Freiburg die Entwicklung eines Ausdrucks durch kontinuierliches Arbeiten und kritische Auswahl. des Optimums.

Ein spätes Studium brachte mich zur Biologie. Hier lernte ich die faszinierende Mikrowelt der Moose kennen und lieben.

Meine selbstständige Tätigkeit als Ökologe und Landschaftsplaner ließen mir zum Glück genügend Spielraum, mich auch weiterhin dem Studium der Moose zu widmen. Für mich selbst, als Erinnerungsstütze, begann ich dann irgendwann auch Moose zu fotografieren. Die Ergebnisse der ersten Jahre waren aber alles andere als zufriedenstellend. Allgemein gelten Moose als sehr schwer zu fotografieren, da sie zum einen sehr klein sind, zum anderen aber eine starke räumliche Ausdehnung besitzen und mit der Einschränkung der Tiefenschärfe bei solch kleinen Objekten meist nur ein sehr geringer Bereich scharf abgebildet wird. Dazu kommen die oft stark reflektierenden Oberflächen der Moosblättchen, die ein Arbeiten mit Blitzlicht erschweren. Da Moose aber oft an ziemlich dunklen Stellen wachsen, bekommt man ohne Blitz mit langen Belichtungszeiten meist nur flaue oder gar unscharfe Bilder.

Mit der Zeit lernt man aber sein Werkzeug besser einzusetzen, und die Bilder wurden ansehnlich. Die ersten Bilder machte ich mit einer Nikon F-301 Spiegelreflex, mit einem 105 mm Makroobjektiv, ebenfalls von Nikon. Ein TTL-Blitz, der auf einer Blitzschiene von der Seite das Bild ausleuchtet, verhindert etwas die störenden Reflektionen (im Gegensatz zum Frontalblitz) und sorgt für ein räumliches Bild. Seit einigen Jahren habe ich die Digitalfotografie entdeckt (Nikon Coolpix 950), die es ermöglicht, ohne Blitz zu arbeiten. Selbst bei relativ schwachem Licht sind Aufnahmen mit Tageslicht noch möglich. Da die Kameras klein und leicht sind, ist die Gefahr des Verwackelns nicht so groß. Ich fotografiere heute Moose zum Teil mit Belichtungszeiten von 1/8 Sekunde. Ich benutze kein Stativ, da dies bei so kleinen Motiven, die irgendwo am Boden oder am Felsen wachsen, zu unhandlich ist. Ich versuche lediglich, mich irgendwo mit der Hand abzustützen.

Das Fotografieren von Moosen unter Tageslichtbedingungen, ermöglicht das Einfangen der zauberhaften Lichtsituationen, die sich in der Mikrowelt der Moose oft ergeben. Dieses Spiel mit Licht und Schatten, zusammen mit der unglaublichen Formenvielfalt dieser kleinen Pflanzen, ließen die Moosfotografie für mich zu einer wahren Obsession werden. Auf ungezählten Streifzügen in der Umgebung, aber auch auf zahlreichen Reisen, suche ich immer wieder neue Moosarten in ihrer typischsten und schönsten Erscheinungsform abzubilden.

In Deutschland gibt es etwas über 1000 verschiedene Moosarten, in ganz Europa sind es so um die 1600. Bisher ist es mir gelungen, 800 europäische Arten (außerdem 250 tropische Arten von Reisen in Südamerika) fotografisch zu dokumentieren. Mein Ziel ist es aber, alle Moose Europas abzubilden. Dieses Ziel wird vielleicht nie ganz zu erreichen sein, da viele Arten äußerst selten sind und oft nur an ein oder zwei Stellen in Europa vorkommen. Immerhin ist meine Sammlung aber schon jetzt die weltweit vollständigste, die existiert. Eine Auswahl von 2800 Bildern europäischer Moose, die ich auf eine CD gepackt habe und verkaufe, existiert bereits in vielen Ländern der Erde (bis nach USA, Australien, Südafrika usw.) und werden von privaten Botanikern wie auch von Instituten, Universitäten, Botanischen Gärten, Naturschutzbehörden und ähnlichem für Vorträge, Publikationen und Informationsschriften genutzt. Dies ist der schönste Lohn für meine Arbeit, dass die Bilder heute einen Zweck erfüllen und nicht nur in der Schublade liegen.

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Dickhaar-Spalthuetchen (Schistidium crassipilum)
Haarblaettriges Birnmoos (Bryum capillare)
Mauer-Drehzahn (Tortula muralis)
Moose (Bryophyta)
Polster-Kissenmoos (Grimmia pulvinata)
Rhizoide (Rhizoide)
Seidenmoos (Homalothecium sericeum)
Silbermoos (Bryum argenteum Hedw.)
Zypressen-Schlafmoos (Hypnum cupressiforme)